Älteste urkundliche Erwähnung: 1188 Cizstesdorf

Erklärung des Ortsnamens: Slawischer Personenname Cistej

Einwohnerstatistik Stichtag 1. Juli 2011: 324 Einwohner, davon 232 HWS und 92 NSW

Zur Geschichte:

Der Ortsname erscheint verschieden geschrieben und lautet Cysteinsdorf, Cystleinsdorf, Zistleinsdorf auch Zistensdorf und Zistersdorf. Es dürfte sich um Schreib oder Übertragungsfehler handeln.

Geologisch liegt der Ort auf einem Lößfenster mit Urgesteinsboden als Unterlage. Dieser befindet sich in einer leichten Mulde, die vom Hagenbach durchflossen wird. Der Ort wird in Urkunden des Stiftes Geras, sowie der Herrschaft von Drosendorf etwa um 1000 bereits urkundlich erwähnt und die Gründung einem Herrn Riwin (auch Riwein) von Zistlein zugeschrieben. Man vermutet hier die Namensgebung nach dem Hl. St. Cysthemus.

Der Raum war, wie Funde beweisen auch schon während der jüngeren und älteren Steinzeit besiedelt. Man schließt auf Grund der Funde auch auf eine dichtere Bewohnung. Aus der Eisenzeit liegen fast keine Funde vor. Daher nimmt man an, dass zu dieser Zeit die Besiedlung sehr dünn war.

Die Dorfgrenzen wurden durch Martern gezeichnet, deren vermutlich älteste an der Strasse nach Drosendorf – eine Steintafel mit der Jahreszahl 1583 – trägt (auch Pestmater genannt).

Die Bauern von Zissersdorf waren den Gutsherren von Drosendorf leibeigen.

Während des 30 Jährigen Krieges (1618-1648) zogen die Schweden durch Zissersdorf und brandschatzten 28 Höfe.

* 1710 kam die Pest nach Zissersdorf – nur wenige überlebten. Ein Priester aus Maria Schnee ging wegen der Ansteckungsgefahr nur jeweils bis zu Pestmarter, segnete von hier aus die im Dorf verstorbenen ein, um nicht selbst krank zu werden.

* 1809 zogen die bei Apsern zum ersten mal geschlagenen Franzosen durch Zissersdorf.. In Raabs an der Thaya musste ihnen dann die Musikkapelle Breit aus Zisserdorf aufspielen.

* 1866 zogen die Preußen durch

* 1945 beunruhigten die russischen Truppen bei der Verfolgung der geschlagenen Deutschen Wehrmacht den Ort und die Gegend.

Einige interessante Daten

* 1891 – in Zissersdorf wird ein Postamt errichtet, dass 1918 mit Telegraph und Telefon versehen wurde

* 1908 – wurde die Bahnlinie Retz – Drosendorf gebaut und ein Bahnhof in Zisserdorf errichtet.

* 1919 – erste Kanalisierung des Ortes

* 1919-1923 – Drainagierung und Kommasierung der gesamten landwirtschaftlich genutzten Flächen. Zissersdorf war die zweite Gemeinde in NÖ die kommasiert wurde.

* 1925 – Errichtung des Kriegerdenkmales

* 1921  – Gründung der Lagerhausgenossenschaft, Errichtung einer Milchgenossenschaft

* 1922 – Das elektrische Licht zieht im Dorf ein

* 1922 – Errichtung des Dampfsägewerkes

* 1927 – Errichtung einer landwirtschaftlichen Brennereigenossenschaft (Erzeugung von Spiritus aus Kartoffeln)

Über die Kirche

Zissersdorf besaß ab etwa 1500 eine eigene Kapelle, die von der Pfarre Drosendorf mitbetreut wurde. 1784 unter Josef II eine eigene Pfarre und begann 1862-1867 mit der Errichtung einer Pfarrkirche, die einen 37 m hohen Zwiebelturm besitzt. 1906 bis 1908 wurde die Kirche um den Sakristeitrakt und die Marienkapelle vergrößert. Sowohl im ersten als auch im zweiten Weltkrieg musste die Pfarre die meisten Glocken zur Einschmelzung abliefern.

Nahe Zissersdorf befindet sich eine kleine Wallfahrtskirche, das so genannte „Schneebründl“ oder Maria Schnee. Angeblich soll an diesem Platz mitten im Hochsommer einmal neben der nun gefassten Quelle Schnee gelegen sein. Nachweislich befand sich neben dem Bründl 1693 eine Höhle die von einem Einsiedler bewohnt wurde. Um 1600 wurde durch die Spitalsstiftung in Drosendorf eine Kapelle errichtet, zu der 1712 die erste Wallfahrt kam, bei der nach Überlieferung diese mit einer Rauferei endete. Die Kapelle wurde 1760 vergrößert, aber 1782 von Josef II aufgehoben, abgebrochen und Teile zum Kirchenbau in Zisserdorf verwendet. Der Rest verfiel und wurde zur Ruine. Erst im Jahr 1857-1869 wurde die heute bestehende kleine Wallfahrtskirche von der Bevölkerung errichtet.

Über die Schule

1784 gab es bereits eine Schule, die zur Geras gehörte. 1810 wurde eine eigene Schule errichtet – ein ebenerdiges Gebäude mit einer Klasse. 1876 wurde diese wieder abgerissen und ein einstöckiges Gebäude mit einer zweiklassigen Volksschule errichtet. Die Schule kostete damals der Gemeinde 4000 Gulden. 1864 wurden in 2 Klassen 60 Knaben und 60 Mädchen unterrichtet. 1881 wurde für Josef II, dem Bauernbefreier eine Gedenktafel an der Schule angebracht.

(Quelle: Gerhard Trimmel)

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