• Die drei Katzen beim Straßenkreuze

    Eine ähnliche Katzensage knüpft sich auch an das Kreuz neben der Straße nach Autendorf, das vor langer Zeit  an Stelle eines sehr alten  aus Holz errichtet wurde. Hierüber erzählt man sich:
    Ein Mann  der von Drosendorf  kam, sah  einmal beim Kreuze drei Katzen sitzen; eine weiße, eine graue und eine schwarze. Er nahm die weiße zu sich und band sie in sein Fürtuch ein . Nach einer kleinen Weile war sie spurlos daraus verschwunden. Nun holte er sich die schwarze; mit der ging es ihm ebenso, und zum Schlusse auch mit der grauen, obgleich er diese bei den Füßen festgehalten hatte. Jetzt wurde ihm die Sache unheimlich und er lief nach Hause.

  • Was der Roland erzählt

    Gegenüber dem Rathaus zu Drosendorf, in einiger Entfernung am Stadtplatz, steht eine sehr hohe Säule, oben mit einem Gewappneten gekrönt. Die Wissenschaft erachtet den Ritter als einen Roland, im Volksmunde jedoch heißt er geringschätzig „Pranger-Hansl“, obgleich es sich hier um eine „sehr hoch stehende Persönlichkeit“ handelt. Seit vielen Jahrhunderten blickte sie unverwandt gegen das Rathaus, als ob sie von dort Wahrung ihres Ansehens und eines uralten Rechtes erwarte.

    Noch um 1885 erinnerten sich alte, bodenständige Bewohner des Städtleins an manches, was sich bei oder vor der Säule zugetragen hatte und das sie von ihren Vorfahren hörten, oder noch selbst erlebten. So u. a., dass 14 (nach anderem Berichte je 8) Tage vor und ebenso viele nach jedem Jahrmarkte, neben der Säule eine mehrere Klafter lange Stange in die Erde eingegraben wurde, auf der zuoberst ein Arm, mit einem Schwerte in der Hand, befestiget war. Die Aufstellung und Entfernung der Stange geschah unter Glockengeläute, vom Kirchen, wie vom Rathausturme aus, bei Anwesenheit des Bürgermeisters und sonstiger Ratsherren. So lange die Stange mit dem Schwertarme aufrecht stand, musste förmlich Gottesfriede in der Stadt herrschen, und während der Zeit mussten auch alle Marktgeschäfte, einschließlich Bezahlung aller Marktschulden, erlediget sein. Streitende wurden sofort an den Pranger gestellt, und der bewaffnete Gemeindediener musste auf alle Ungehörigkeiten genau achten und sie dem Bürgermeister oder Richter anzeigen. Aber nicht bloß bei derlei Vorkommnissen spielte die Rolandsäule eine Rolle, sondern auch bei festlichen Anlässen. So zogen, einer Sage nach, Braut- beziehungsweise Ehepaare nach der kirchlichen Einsegnung, mit ihren Beiständen feierlich um die Säule herum, was in alten Zeiten, wo noch keine Abgrabung an der linken Seite der Säule statt hatte, auch noch keine Bäume standen, möglich war; heute jedoch nicht mehr. Dieser Brauch erscheint als eine der Säulen des alten Rechtes, des göttlichen Gerichtes oder der irdischen Gerechtigkeit dargebrachte Ehrung, und entstammt wohl noch der Zeit, da nach altdeutschem Empfinden die gleichsam himmelanstrebende Irmin- (also auch Roland-) Säule, als irdisches Abbild der mythischen Weltsäule Himmel und Erde symbolisch verband, wie denn auch einst Recht und Religion ineinander übergingen.

    (Ab dem 23. Juni 2001 schaut der Roland wieder sehr glücklich gegen das Rathaus. Der ehrsame Rat der Stadt unter Bürgermeister Franz Krestan hat dem Roland wieder seinen Arm zurückerstattet und ihm ein silbernes Schwert gereicht. So soll wieder die Kraft in die Stadt rückkehren, die seit mehr als einhundertfünfzig Jahren durch die Verwundung des Rolands verloren gegangen war.)

  • Schatzberge und Schatzhöhlen

    Die Sagen, in denen in gewissen Bergen und Felshöhlen Schätze verborgen seien, sind im Waldviertel häufig. So heißt es, dass sich im Kolmannsberge ein Schatz befindet, den Zwerge hüten. Im Hausberge zu Drosendorf liegt unter der Kapelle ein Schatz und nebenan in einer Höhle der Wein in seiner eigenen Haut. Im Gaber bei Luden Nonndorf ist ein Schatz zu heben. Im Teufelsloche bei Weissenalbern sind Schätze verborgen. Im Gaisruck bei Mödring liegt auch ein Schatz. In einem Gange bei der Gudenushöhle steht ein Sessel aus Gold. In der Horashöhle  bei Altenburg am Kamp verbarg einst geflüchtete Geistliche ihre Schätze. Im Eulenberge bei Litschau liegen Schätze usw.

    Ab dem Jahre 2002 haben sich amerikanische Forscher angesagt – so wie im Toplitz See – die Schätze zu heben. Der ehrsame Rat der Stadt Drosendorf hat dem zugestimmt zumal die Hälfte des Schatzes in die geheimen Schatztruhen  in den Tiefen des Rathauses kommen wird.

  • Das Gespenst vom Schlossberg

    Wenn der Wanderer durch das Thayatal zur Brücke  bei Unter-Thürnau kommt, so fällt ihm jenseits des Flusses ein ziemlich regelmäßig kuppenförmiger Hügel auf, auf dem sich die Reste einer schon vor mehr als einem halben Jahrtausende zerfallenen Burg befinden, die völlig mit Erde und Pflanzenwuchs bedeckt erscheinen, bis auf ein kleines Stück der äußersten Burgmauer, die einst einen Umfang  von ungefähr 600 Schritten hatte, der sich dem sachverständigen Beschauer noch immer erkennen lässt. Innerhalb dieser Umgebung ragen, unter anderem, zwei mächtige etwa 10 Meter hohe, pyramidenstutzartige Erhebungen empor, mit Gras und Bäumen bewachsen, die wohl die Trümmer des ehemaligen Palas (Herrenhaus) und der ehemaligen Kemenate (Frauenhaus) der Burg darstellen. Bei einem der beiden Hügel soll sich nun zu Zeiten ein Gespenst zeigen, nämlich die weiße Frau. Einer Meinung nach wäre sie der Geist  der Burgfrau, – die ihren sucht , der im anderen Hügel erschlagen läge. Wer ihr hülfe, ihn zu erlösen, dem würden reiche Schätze zu Teil.

  • Das Pelzweibl im Neusiedelwalde

    „Neusiedel“ heißt ein bewaldeter Bergrücken, der das Thayatal bei Autendorf und Drosendorf vom Gaberbachtale scheidet. Nach Kuthmayers „Österreichische Sagen“ hält sich auch in dem Walde, der hier „Aisidl“ benannt ist, das Pelzweibel auf, das es darauf abgesehen hat, die Menschen zu ängstigen. Als einmal ein Mann aus Drosendorf nachts durch den Wald wanderte, ging ihm die Hexe nach und forderte ihn auf, mit ihr zu kommen. Der Mann ließ sich aber nicht verleiten, und als er aus dem Walde heraus zu einer Kapelle kam, wandte er sich schnell gegen die Hexe, schlug sie mit seinem Stocke auf den Kopf und sprang in die Kapelle hinein. Darauf hörte er noch, wie das Pelzweibel rief: „Dein Glück, dass du in der Kapell’n bist, sonst hätt’st d‘ mein g’hört.“ Darauf ist das Gespenst verschwunden.

  • Das Schneewunder

    Vor mehreren hundert Jahren trieb einmal ein Bauer aus Zissersdorf seine Kühe zum Bründl im sogenannten Bründlgraben, um sie dort zu tränken. Als er hin kam, lag ringsumher Schnee, obgleich es mitten im Sommer war. – Auch ein Bauer aus Elsern, der sich ein anderes Mal beim Bründl den Durst löschen wollte -es war zur Schnittzeit – sah das Bründl mitten im Schnee liegen. – Infolge dieser wunderbaren Erscheinungen wurde später zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria über dem Bründl eine Kapelle erbaut, zu der in kurzer Zeit von weit und breit die Menschen wallfahrteten, weil hier auch wunderbare Heilungen von Krankheiten vorgekommen sind. Noch ums Jahr 1894 hingen an den Wänden im Inneren der Kapelle gegen 200 Widmungsbilder mit Inschriften und Spendernamen.

  • Der Schatz im Gaberkircherl

    Als der alte Nagel, so erzählt 1892 der bejahrte Bauer Barth zu Autendorf, einmal die Kühe zum Gaber hintrieb, “ kam es ihn an „, dass er da ins zerstörte Kirchl hineinging.
    Als er eben über die verfallene Mauer hinabsteigen wollte, sah er auf der entgegengesetzten Seite einen Haufen Dukaten. Da machte er aus Freude einen lauten Juchhazzer. Aber im selben Augenblick bekam er von unsichtbarer Faust einen solchen Hieb ins Genick, dass er  über die Mauer hinabstürzte. Als er sich wieder „derfangt“ gehabt hatte, war der Schatz verschwunden. Hätte er geschwiegen und lieber den Rosenkranz aufs Geld geworfen, so hätte er ganz Autendorf aufkaufen können. Wenn man ihn später gefragt hat, “ wia’s   g’wes’n  is „, dann ist er sehr ärgerlich geworden.

  • Die weiße Frau zu Drosendorf

    Das Haus Nr.88 in Drosendorf (heute Hauptplatz 2) ist nach dem Templer und Regentenhaus das merkwürdigste Bürgerhaus. Es steht neben dem Rathaus am Marktplatz und ist durch zwei an der Stirnseite stark vortretende Halbtürme ausgezeichnet , die einst je ein Spitzdach hatten, so dass sie wie „richtige Schlosstürme“ hersahen. Dazwischen einen Giebel, an dem bis zum Jahre 1846, eine große eiserne Tafel befestigt war, die „einen wunderbaren Vogel mit seinen Jungen zeigte, die sich von dem Herzblute des Alten nährten“; darüber ein Spruchband mit lateinischer Inschrift und der Jahreszahl 1576. Das Haus, das früher neben mehreren Stallungen, Scheunen u. Holzlagen, 18 Gemächer zählte, galt als eines der ältesten in der Stadt; es soll einmal ein „Bergamt“ gewesen sein, als noch in der Umgebung von Drosendorf Alaunschiefer gegraben wurde. Es besitzt zwei große Felsenkeller, von denen der eine zwei Geschosse hat und „zuletzt einen langen Gang“ . Im ersten Stock ist ein großes Vorhaus, von dem links eine Tür in die Mehlkammer führt. Durch ein anderes Gemach gelangt man in den großen Körnerboden, und auf eine Plattform („Veranda“), die hoch über dem Hofpflaster liegt. Andere Türen im Vorhaus vermitteln den Zugang zu mehreren Gemächern, darunter auch in den „Festsaal“, in die große Küche nebenan, sowie in kleinere Wohnräume. Neben der Türe auf die Veranda gelangt man in zwei Zimmer, von denen nun das rückwärtige mit der Aussicht auf den Haidberg eine besondere Rolle in den Sagen spielt, die sich an das Haus knüpfen. Aus diesem Wohnraum kam nämlich zu Zeiten, wann der Familie eines früheren Hausbesitzers Unheil bevorstand, eine weiße Frau; sie geht dann langsam durchs Vorhaus, sieht in der Mehlkammer nach und verschwindet auf der Veranda. Man hat sie auch vom Hofe aus hier im Mondlichte stehen gesehen; aber auch im Stiegenhause und bei der Türe zum tiefen Keller. Als einmal im „Zimmer der weißen Frau“, unter dem sich die sogenannte Aschenkammer befand, der Fußboden erneuert werden musste, stieß man auf einen Hohlraum, in dem eine eiserne Geldkiste, jedoch leer, stand — und als man im Keller Nachschau hielt, entdeckte man eine seichte kleine Nische, in der vier Dukaten hinter einem Stein lagen. Der Gang zuunterst soll einmal bis zum uralten Drehbrunnen am Stadtplatze geführt haben, aber der Felsen ist seither schon längst „zusammengewachsen“, und ein großer Felsblock sperrt ihn ab. Dieser Gang zum Brunnen soll dazu gedient haben, um den Besitzern des Hauses in Kriegszeiten, wann der Feind schon in der Stadt war, Trinkwasser zu verschaffen. Denn das Haus soll vor mehreren hundert Jahren einem sehr reichen Ratsherrn gehört haben, der im „Festsaal“ öfters große Gastmähler abhielt. Aus dieser Zeit stammt die weiße Frau, die vielleicht nach einem Schatze sucht.

  • Frau Gaude bei der Spinnerin

    Eine arbeitsame Frau in Altstadt Drosendorf hatte die Gewohnheit, wenn andere Leute die Arbeit ruhen ließen, zu spinnen. Eines Abends, es war in der Weihnacht, als die Frau wieder beim Spinnrocken saß, trat eine kleine, hässliche Alte, ein Zwergel, ins Zimmer und fragte, ob es erlaubt sei, beim Spinnen zu helfen. Die Frau sagte ja, und nun ging ein Spinnen los, so schnell, dass der Frau ganz angst und bang wurde. Als der Flachsvorrat fast ganz zu Ende war, wünschte die Fremde ein Nachtmahl. Die Frau ging deswegen aus dem Zimmer hinaus, benützte aber die Gelegenheit, um sich bei einer Nachbarin Rat über die Unheimliche zu holen, die ihr wie das Pelzweibel vorkam. Da sagte ihr die, dass richtig das Pelzweibel bei ihr sei, sie soll um Gotteswillen trachten, dass sie das Gespenst auf gute Art los werde. Darum soll sie zurückgehen, die Zimmertür aufmachen und rufen: „Gaude, Gaude, der Hetscherlberg brennt!“ Wenn das Weibl aber fort sei, dann müsse sie sogleich die Ofengabel, den Schürhaken und die Ofenschüssel vor die Haustür stellen und dann das Tor versperren. Die Frau tat so, wie ihr geraten. Aber kaum war das Sprüchel aus dem Munde, da sprang das Weibl auf. Mit dem Rufe: „O weh, o weh, da verbrennen ja meine Kinder“, stürzte es zur Haustür hinaus. Die Frau hatte kaum die drei Küchengeräte vor die Tür gestellt und diese versperrt, da kam auch schon die Gaude zurück und begehrte zornig Einlass. Doch die Frau in der Spinnstube rührte sich nicht. Da rief das Weibl zuerst die Ofengabel, dann den Schürhaken und zum Schluss die Ofenschüssel zum Beistand an, um ihr die Tür öffnen zu helfen, die ihr auch geholfen hätten, wenn diese Geräte nicht selbst hinausgesperrt worden wären. Als nun alles nichts nützte, stieß das Pelzweibl einen fürchterlichen Fluch aus und rief: „Diesmal bist du mir entgangen; aber hüt‘ dich, noch einmal zur Unzeit zu spinnen!“ worauf sich das Gespenst polternd entfernte.

  • DAS KEGELSPIEL AM KOLLMITZBERG

    Vor vielen Jahren lebte am Fuß des Kollmitzberges in einer einsamen Hütte ein armer Köhler mit seiner Ehefrau. Leonhard, so hieß der Kohlenbrenner, war ein arbeitsamer Mann, der nur die eine Untugend hatte, dass er ein leidenschaftlicher Spieler war. Wenn nach dem Verkauf von Kohlen ein paar Geldstücke in seiner Tasche waren, zog es ihn mit unwiderstehlicher Gewalt in die nächste Wirtsstube, wo er im Würfel- oder Kegelspiel sein Glück versuchte. Aber Leonhard hatte selten Glück. Meist endete der Tag damit, dass er ohne einen Groschen Geld im Sack entlang der Thaya heim wanderte. Dann kam ihm der Weg doppelt so lang vor, er grübelte und dachte, wie er zu Geld kommen und seiner Armut ein Ende machen könnte. Traurig empfing ihn daheim seine Ehefrau Gertrud. Denn anstatt mit dem notwendigen Einkauf kehrte er mit leeren Händen zurück.
    Eines Tages stand der Köhler wieder einmal vor seinem Meiler und starrte den rauchenden Kohlenhaufen an. Dabei bemerkte er gar nicht, dass sich ihm ein hochgewachsener, junkermäßig gekleideter Mann näherte. Als der Fremde dicht vor ihm stand, schrak er zusammen. Leonhard blickte in ein unheimliches, starkknochiges Gesicht, das einen mächtigen roten Knebelbart trug. Ein großer grauer Schlapphut mit einer roten Hahnenfeder saß auf dem Kopf des Mannes. Als er seinen grauen Mantel auseinander schlug, wurden ein graues faltiges Wams und Beinkleider von roter Farbe sichtbar.
    Mit donnernder Stimme fragte der Fremde den überraschten Leonhard, ob er der Köhler sei, der so großen Gefallen am Kegel- und Würfelspiel finde. Schon wollte Leonhard verneinen, als der Spielteufel in ihm erwachte und ihn zwang, die Frage zu bejahen.
    Der Graumantel verzog grinsend sein Antlitz und zog einen vollen Beutel aus der Tasche, den er dem Köhler vor die Nase hielt. Dabei forderte er ihn auf, mit ihm ein Spielchen zu versuchen. Verlegen bekannte sich Leonhard zu seiner Armut, doch der Fremde fiel ihm ins Wort und meinte: „Ach was! Ich setze mein gelbes Gold gegen deine schwarzen Kohlen!“
    Der Kohlenbrenner war zufrieden, führte den Besucher in seine Hütte und langte vom Wandbrett den Würfelbecher herab. Bald klapperten die Würfel auf der Tischplatte. Leonhard tat den ersten Wurf. Mit zitternder Hand ließ er die Würfel aus dem Becher rollen, jeder zeigte fünf Augen. „Zehn“, hallte es dumpf von den Lippen des Fremden, der nun nach dem Becher griff. Gespannt folgte Leonhards Blick den tanzenden Würfeln, bis sie zur Ruhe kamen. Fünf Augen zeigte der eine, vier der andere Würfel. „Neun“, jubelte der Köhler; seine Augen leuchteten. Wortlos reichte der Rote dem glücklichen Gewinner den prallen Beutel, den dieser voll Freude entgegennahm.
    Unterdessen war Gertrud, des Köhlers Gattin, die im Wald Holz geschlichtet hatte, in die Stube getreten. Als sie den Hageren im grauen Mantel erblickte, gab es ihr einen Stich. Doch der Gast nahm den Köhler beiseite und forderte ihn auf, nun ein Kegelspiel mit ihm zu wagen. Dabei hielt er ihm wieder einen Beutel voll Gold vor die Augen. Da entgegnete die Frau schüchtern, es seien weder Kegel noch Kugeln zur Hand; in die Schenke solle der Ehemann aber nicht gehen, der dampfende Meiler erfordere dringend seine Anwesenheit. Da lächelte der Rote und meinte, mit seinem Gold klimpernd, es sei gar nicht nötig, in das entfernte Wirtshaus zu gehen; unweit der Hütte wisse er einen Platz, der zur Not genüge, einen Meisterschub zu tun. Neun zubehauene Holzklötze können die Kegel ersetzen, und für die Kugel wolle er sorgen.
    Während Meister Leonhard aus seinem Holzvorrat geeignete Stücke heraussuchte und sich damit belud, eilte der Fremde zum Fluss und langte wie von ungefähr ein kugelrundes Geröllstück aus dem Wasser, das bei der Berührung mit seiner Hand schäumend aufzischte.
    Gertrud fühlte einen Schauder über ihren Rücken rieseln, als sie den beiden nachsah, die miteinander dem Wald zuschritten. Ein unheimliches Gefühl sagte ihr, dass es mit dem Fremden nicht geheuer sei, zumal sie das Aufbrausen des Wassers vernommen hatte, als er mit der Hand in den Fluss griff. Außerdem schien ihr, als ob der Graumantel hinke. Ein Stoßgebet murmelnd, schlich sie den beiden in den Wald nach.
    Hinter dem Stamm einer alten Eiche verborgen, sah sie nun, wie sich ihr Mann zum Schub anschickte, während sein Begleiter sagte: „Es gilt also wie vorher, dieser Beutel voll Gold gegen deinen Kohlenhaufen.“
    Der Köhler nickte zustimmend.
    Ängstlich verfolgte Gertrud das Tun ihres Ehegatten. Sie bemerkte, wie der Rote höhnisch grinste, aber wie von einer geheimnisvollen Macht überwältigt, war sie unfähig, sich zu rühren oder einen Laut hervorzubringen. Sie zitterte am ganzen Leib, als Leonhard die Kugel warf. Ein heftiger Windstoß fuhr durch die Baumkronen, die Aste bogen sich knarrend, während die Kugel mit seltsamen Sprüngen die Bahn entlang rollte und mit dumpfem Knall die aufgestellten Holzstücke traf. Es klang wie rollender Donner, als die Kegel polternd durcheinander fielen.
    Der Köhler tat einen Freudensprung „Alle neun!“ rief er.
    Gertrud glaubte vor Angst vergehen zu müssen, als der Rote die Kugel schwang und zum Wurf ausholte. Es schien ihr, als ob Feuerfunken aus der Kugel sprühten, tobend heulte der Sturm und warf ihr abgebrochene Zweige ins Gesicht. Plötzlich blendete ein grelles Licht ihre Augen, ein Donnerschlag erschütterte die Luft, und dann noch einer und wieder einer. Alles Blut drang der Entsetzten zu Kopf, bis auf einmal eine schauderhafte Stimme das Brausen des Sturmes übertönte: „Alle zehn! Alle zehn!“ – Ohnmächtig sank Gertrud zu Boden.
    Als das arme Frauenzimmer wieder zu sich kam, herrschte Stille im Wald. Das Unwetter hatte sich verzogen, der Mond warf seine bleichen Strahlen durch das Laubdach. Stöhnend richtete sich Gertrud auf und näherte sich langsam der unheimlichen Kegelbahn. Im vollen Mondlicht bot sich ihr ein grausiges Bild. Inmitten der umgeworfenen Kegelhölzer lag mit verzerrten Zügen die Leiche ihres Ehegatten. Von seinem finsteren Kegelpartner war keine Spur zu sehen.
    Mit einem Jammerschrei warf sich Gertrud über den Körper ihres toten Ehemannes, vergebens suchte sich noch ein Lebenszeichen an ihm zu entdecken. Dann hob sie ihn mit übermenschlichen Kräften auf ihre Schultern und trug ihn den Berg hinab, ihrer stillen Behausung zu. Aber nur ein rauchender Trümmerhaufen bezeichnete den Ort, wo früher die Hütte gestanden war. Auch der Kohlenmeiler war fort. Der Satan hatte den Einsatz des Köhlers samt dessen Seele mit sich genommen.
    Sieben Tage saß Frau Gertrud trauernd am Grab ihres Ehegatten und weinte bittere Tränen. Sie hatte ihn an der Stelle bestattet, wo sein letzter Kohlenmeiler gebrannt hatte. – Aber das Leben forderte seine Rechte. Mit einigem Werkzeug versehen, zog sie sich in den Wald zurück, wo er am dichtesten und einsamsten war. Hier errichtete sie an einer windgeschützten Stelle in der Nähe eines Quells aus roh zubehauenen Baumstämmen eine einfache Hütte, die nur einen einzigen Wohnraum hatte. Wurzeln und Beeren bildeten ihre Nahrung. Oft vergoss sie Tränen über den Verlust ihres Ehegatten und haderte mit ihrem traurigen Los. Aber je mehr sie grübelte und nachdachte, desto mehr verbitterte sich ihr Gemüt, bis sie zuletzt, alles verfluchend, was ihr bisher heilig war, mit dem Teufel einen Bund schloss.
    So war aus dem ehrsamen Weibe eine alte Hexe geworden, die von allen Leuten gemieden wurde. Nur wer sich gar keinen Rat mehr wusste und der Verzweiflung nahe war, suchte sie auf, um ihren Sprüchen zu lauschen oder heilsame Tränklein und Pflaster zu holen, wofür sie mit Feldfrüchten und anderen Lebensmitteln bezahlten; denn die alte Hexe scheute das Geld, seitdem ihr Mann darum Leib und Seele verloren hatte.
    Doch zu gewissen Zeiten im Jahr war die Hexe Gertrud für die Menschen nicht zu sprechen. Es war dies zu Walpurgis, Johanni oder zur Weihnachtszeit; denn da hielten die Hexen mit dem Teufel ihre Zusammenkunft ab, bei der Gertrud nicht fehlen durfte. Wem also sein Leben lieb war, der mied es, um diese Zeit den Bannkreis des Kollmitzberges zu betreten.
    Eines Tages kamen wieder Leute zur Hütte der Hexe, um ihren Rat einzuholen, aber sie fanden die Hütte verschlossen. Das Dach lag auf der Erde neben der Quelle. Als man die Tür der Behausung aufbrach, flüchteten viele Mäuse aus der Stube, die Leiche der Hexe aber lag, fast bis auf die Knochen abgenagt, unter dem Herdloch am Boden.
    Seit dieser Zeit wurde der Wald, der nach der Hütte der Hexe den Namen „Die öde Stube“ erhielt, von allen Bewohnern gemieden.

  • Die strafende Föhre

    Am Feldwege, der unweit von Autendorf zum verfallenen Gaberwaldkircherl führt, stand eine sehr alte Föhre mit einem Stammdurchmesser, der fast einen Meter betrug. Da der Baum auf einer sehr steinigen Halde erwachsen, so war sein Holz sehr hart und sein Alter als ein Höheres als die Dicke des Stammes annehmen ließ. Man war der Meinung, dass diese Föhre bereits die Schweden auf der nahe an ihr vorbeiführenden uralten Straße, von Drosendorf nach Raabs, marschieren sah. Der Baum war etwa 12 Meter hoch, hatte aber eine dachartige, ungemein dichte und breite Krone, so dass er von weitem wie ein ungeheuer großer Pilz aussah; die Krone ladete so weit aus, dass wohl an die fünfzig Menschen unter ihr bequem stehend Platz finden hätten können. Da die Föhre auf freier, unbebauter Blöße stand, schadete auch ihr Schatten keineswegs benachbarten Feldern; sie galt bei vielen Leuten als unverletzlich („sankrosankt“), weil an ihr seit Menschengedenken ein Heiligenbild hing, das jeweils erneuert wurde. Die breite Föhre war also ein sogenannter Herrgotts-, d. h. Gott geweihter Baum, bei dem wohl schon „mehr als tausend Male gebetet worden war“. Trotzdem fiel es aber dem Besitzer in einem der letzten Kriegsjahre ein, den Baum umsägen zu lassen und das Holz zu verkaufen. Dieses Unternehmen hatte, wie dem Verfasser im Laufe des Jahres 1927 mitgeteilt wurde, merkwürdige Folgen:

    Die beiden Arbeiter, die den Baum fällten, brauchten fast einen ganzen Tag, um das ungemein zähe und harte Holz des Stammes zu durchsägen. Bald darauf erhängte sich der eine, während der andere ertrank. Es dauerte auch nicht lange, so starb derjenige, der die Fällung der Bildföhre veranlasste, auch ging sein Unternehmen in den Besitz eines völlig Fremden über. Als der Stamm des Baumes zu Werkholz zersägt wurde, zersplitterte die Säge, da sie auf eingewachsene Nägel stieß, an denen, im Laufe der Zeiten, die Bilder befestigt worden waren. Als das zerschnittene, außerordentlich harte Holz zu Gebälk Verwendung fand, vermoderte (!) es in überraschender Weise schon nach zwei Jahren. So bringt es, allgemeiner Meinung nach, keinen Segen, wenn man einen Bildbaum zu Geld macht.

  • Die Katzenföhre

    Neben dem Feldwege von der Autendorfer Straße zum Gaberwalde stand früher eine seltsame Föhre; Sie Hatte einen vielleicht vier Meter hohen, ziemlich glatten und walzenförmigen Stamm ( von ungefähr 70 Zentimeter Durchmesser ) mit einer niedrigen, aber ungemein breiten Krone, so dass der Baum , auf Entfernung , wie ein ungeheurer dunkler Pilz hersah. Am Stamme hing ein altes Heiligenbild . Diese Föhre stand bei alten Autendorfern im gewissen Ansehen, nicht bloß weil es dort geisterte, sondern, weil nach ihrer Meinung, die Föhre schon die Schweden hat “ vorbeimarschieren gesehen „. In der Tat musste man dem Baume  ein höheres Alter beimessen, als der Stammdurchmesser schon andeutete, denn er stand auf einem felsigen Boden und wuchs daher sehr langsam. Bei dieser Föhre nun haben sich früher, zu bestimmten Zeiten, drei gespenstische Katzen aufgehalten: eine weiße, eine schwarze und eine rote. Wer die Tiere nach Hause zu bringen imstande war, hatte Glück im Ehestand.
    Einmal hat es ein Mann versucht; aber so fest er sie auch ins Fürtuch eingebunden gehabt hatte, sie kamen ihm wieder aus. Hätte er die Namen der Katzen gewusst, so
    wären sie ihm freiwillig gefolgt.

  • Die Vöttauer Raubritter in Drosendorf

    Im Laufe des letzten Jahrzehntes des 14. und ersten des 15. Jahrhunderts wurde die Gegend um Drosendorf häufig von tschechischen Raubrittern heimgesucht. Einer der berüchtigsten war der Hynek von Kunstadt, auch Dürrenteufel genannt. Von ihm lernten das Stegreifhandwerk Albrecht und Johann von Vöttau. Diese sammelten einmal 500 Raubgesellen und zogen im Jahre 1405 gegen Drosendorf. Als es Nacht war, überstiegen die Räuber mittels Leitern die Stadtmauern und drangen in die sorglose Stadt ein. Wie sie dann mit den Bürgern, ihren Frauen und Mädchen, sowie sonstigem Hab und Gut wirtschafteten, kann man sich leicht vorstellen, denn es kam auf jeden Einwohner der Stadt, die damals kaum 500 Seelen ausgemacht haben dürfte, zumindest je ein Räuber. – Fünf Tage und Nächte lang war der Vöttauer Herr der Stadt, mit Ausnahme des Schlosses, in dem sich ein aus Oberösterreich stammender Ritter namens Haderer, das der kurz vorher um 1100 Pfund Pfennige von den oberösterreichischen Herzogen gekauft hatte, befand, und der die Angriffe der Räuber (wie die „Zwettler Annalen“ berichteten) “ mit einem gewaltigen Steinregen abwehrte.“ Unterdessen hatten die beiden Geräummeister Ritter Otto von Maissau und Graf Johann von Hardegg ein kleines Heer gesammelt. Und unterstützt von Bauern aus der Umgebung von Drosendorf, namentlich aus Zissersdorf und Langau, zogen sie geräuschlos des Nachts gegen Drosendorf, drangen mit den Ihren durch eine Pforte ins Schloss und fielen dann, im Verein mit des Haderers Leuten über die Räuber in der Stadt her. „Nur wenige retteten sich durch die Flucht; die meisten wurden niedergemetzelt, teils in der Thaya ertränkt, teils aufgehängt….“ Albrecht Vöttauer wollte flüchten, verkleidete sich und gab sich für einen Bauern aus Seebs aus, wurde jedoch an seiner (der Deutschen wohl nicht beherrschenden) Sprache erkannten und von einem richtigen Bauern mit dem Spieße auf den Kopf geschlagen, „worauf er vom Pferd stürzte und nach 36 empfangenen Wunden starb.“ Sein Bruder Johann wurde gefangen.

  • Das gepfählte Totengerippe

    Der (seither verstorbene) Maurermeister Dundler in Altstadt Drosendorf erzählte (um 1890), dass vor etwa 50 bis 60 Jahren sein Vater mit dabei beschäftigt war, als man damals den Friedhof erweiterte und zu dem Zwecke die alte, gegen den Galgenberg gerichtete Seite der Mauer abbrach und neu aufbaute. Beim Ausheben des Grundes stieß man außerhalb der Mauer, „wo seit uralten Zeiten“ ein rotes Stadtwappen am Gemäuer war, ungefähr vier Schuh tief unter dem „Wasen“, auf ein Totengerippe, das zwischen den Rippen in der Herzgegend einen bereits vermorschten Pflock aus Holz stecken hatte, der etwa drei Schuh lang, unten mit einer eisernen Spitze und oben mit einem eisernen Ortband versehen war. Das Eisenzeug nahm sein Vater an sich und gab es, in den 1870er Jahren, dem damaligen Kooperator P. Ferdinand Berwinkel, der es später nach Nürnberg ins Museum sandte. Die Leute aber, die damals von dem Gerippefunde hörten, bekreuzigten sich und sagten, dass das Gerippe einem „menschlichen Vampyre“ angehörte; das sind verhexte Menschen, die nach dem Tode als Gespenster den Lebenden das Blut aus dem Leibe saugen, oder andere blutgierig machen. Und damit solche Menschen kein weiteres Unheil anrichten, wird ihnen, wenn sie der Tat überwiesen und hingerichtet werden, noch ein eiserner Pflock durchs Herz getrieben und so der Leichnam in der Grube festgehalten, damit der Tote nicht als blutsaugendes Gespenst „umgehen“ könne.

  • Der Thaya-Wassermann

    Seit undenklich langer Zeit hauste in den tiefsten Stellen der Thaya, von den Ortsbewohnern Tümpel genannt, ein Wassermann. Wer sich bei Vollmond in die Nähe der Thaya wagte, hörte vom Flusse her erst leises Rauschen, dann plätscherte und spritzte es, und der Wassermann stieg empor aus der Tiefe und setzte sich ins Schilf. Der Mond leuchtete auf das Wasser, sodass es wie Silber glitzerte. Bedächtig kämmte nun der Wassermann mit einem goldenen Kamm aus seinem grünen Bart und seinem langen grünen Haupthaar silberne Tropfen, die dann am Ufer zurückblieben, sobald er wieder in die Fluten getaucht war. Die Silbertropfen musste man holen, solange der Tag noch nicht erwacht war. Und gar mancher Hardegger Bürger soll davon reich geworden sein. Aber es war nicht ganz ungefährlich, die Tropfen aus Silber zu holen, denn manchmal lauerte der Wassermann, im Schilf verborgen, den Menschen auf, um sie mit sich in die Tiefe zu ziehen.

    So sah man ihn oftmals am Granitztümpel unter dem Turmfelsen sitzen oder am Grundlostümpel beim Umlaufberg. Desgleichen hat er sich auf den Wehren der Neuhäusl- und Teufelsmühle gezeigt. Vor allem lockte er kleine Kinder zu sich und zog sie dann in die unheimliche Tiefe der Thaya. Meistens zeigte er ihnen durch das spiegelnde Wasser am Grunde des Flusses eine versunkene Stadt. Der Teil von Hardegg soll es gewesen sein, der sich, wie man sagt, dereinst vom Brandlesturm bis über die Breiten erstreckt -haben soll und durch ein furchtbares Erdbeben zerstört worden sei. Der Wassermann zeigte den Kindern eine große, silberne Glocke unten im Wasser, und sie sahen viele Menschen in unbekannten bunten Trachten lustig durch alte Gassen wandeln. Dann lud er die Kinder ein, doch mit ihm die fremde Stadt zu besuchen und zog sie mit sich in den Fluss. Nur einem Buben soll es einmal gelungen sein, den Wassermann zu überlisten. Dort, wo dieser zumeist aufzutauchen pflegte, hatte der Knabe an einem Baum des Ufers einen Strick befestigt, dessen anderes Ende er sich um seinen Leib knüpfte. Als dann der Wassermann aus den Thayafluten gestiegen war, bat ihn der Knabe um die silberne Glocke vom Grunde des Flusses. Der Wassermann versprach sie ihm auch, wenn er mit ihm in den Fluss steigen wollte. Das Büblein tat es, fand die Glocke und konnte sich mit Hilfe des Strickes wieder ans Ufer ziehen – sehr zum Verdrusse des Wassermanns. Die silberne Glocke aber, die der Knabe mit aus dem Wasser heraufgeholt hatte, schmolz am Ufer dahin wie das Eis, und zurück blieb nur eine kleine Pfütze. Sonst aber waren stets alle Kinder für immer verschwunden, die zu nahe am Ufer der Thaya gespielt und die der Wassermann dann geholt hatte.

  • Der Pfaffenstein am Röhrensteig

    Es war vor mehr als 200 Jahren, als die alte Gruberin in Elsern den Knecht zum Pfarrer nach Drosendorf schickte, damit dieser kam um ihr die Beichte abzunehmen. Der Pfarrer kam mit dem Mesner, nahm der alten Gruberin Beichte ab, und segnete sie mit Weihwasser. Es vergingen kaum drei Tage, da kam schon wieder der Knecht und bat den Pfarrer zu seiner Bäurin, da diese bald sterben werde und beichten möchte. Der Pfarrer ging wieder mit dem Mesner nach Elsern – er ging immer den Kirchensteig, das ist jetzt der Röhrensteig – nahm der alten Gruberin die Beichte ab und segnete sie. Das ging so wochenlang. Die Gruberin starb nicht und nicht.

    Eines abends konnte der Pfarrer nicht mehr. Es setzte sich auf einem Baumstumpf und sagte zum Mesner: „ Mesner, geh du zur Gruberin, nimm ihr die Beichte ab und segne sie. Sie wird es nicht merken und sicherlich nicht gleich sterben.“

    So geschah`s. Der Mesner ging zur Gruberin, nahm ihr die Beichte ab und segnete sie mit Weihwasser. Da verdrehte die Alte die Augen und starb. Der Mesner lief so schnell er konnte zum Pfarrer um ihm dies zu berichten. Jedoch, dort wo der Pfarrer saß, war nur mehr ein großer Stein und vom Pfarrer keine Spur.

    Seitdem heißt der außergewöhnlich geformte Stein, der links neben dem Weg zum Edelteich aus dem Boden ragt, Pfaffenstein.

  • Die Himmelsleiter zu Drosendorf

    In Drosendorf lebte eine fromme Frau, die wollte unbedingt in den Himmel kommen. Alles was sie besitze würde sie dafür geben. Das hörte auch der Zimmermannsgeselle Wastl. Er dachte sich, das könne er bewerkstelligen. Er ging zu der frommen Frau und sagte ihr, dass er ihr eine Himmelsleiter bauen wolle, wenn sie ihm all ihren Besitz vermachen würde.
    Und so geschah es:
    Der Wastl hat eine Leiter gezimmert, die unendlich hoch in den Himmel ragte. Dann ist er mit der langen Leiter zur frommen Frau gegangen. Dort hat er gesagt: „Frau gib mir alles was du hast, dann steige auf die Leiter und du wirst in den Himmel kommen“. Die fromme Frau gab den Wastl ihr ganzes Geld, das Haus und zwei Ziegen, dann stieg sie auf die Leiter, die der Zimmermann Wastl hielt. Als sie oben angekommen war brach eine Sprosse und die fromme Frau fiel auf den Wastl. Der war auf der Stelle tot. Die fromme Frau kam erst viel später in den Himmel.

  • SAGEN AUS DROSENDORF UND JAMNITZ

    Ein Projekt des Grenzüberschreitenden ImpulsZentrum Thayatal
    A 2095 Drosendorf, Hornerstraße 1
    Die Linolschnitte wurden von Kindern der Hauptschule Jemnice und Drosendorf entworfen und gedruckt.
    Dieses Projekt wurde unterstützt von der Stadtgemeinde Drosendorf-Zissersdorf und der EU

    SAGE VON DROSENDORF UND JAMNITZ
    Es war einmal ein reicher heidnischer Fürst der hatte zwei wunderschöne Töchter, die er sehr liebte. Als er im Sterben lag, vermachte er der älteren namens Drozda (also „die Drossel“) den südlichen Teil seines Besitzes und der jüngeren namens Jemna (also „die Zarte“) den nördlichen Teil. Beide bauten sich auf ihren Ländereien eine Stadt. So wie Drozda und Jemna sich ähnelten, glichen auch die beiden Städte sich wie zwei Schwestern. Beide Städte wurden nach ihren Gründerinnen benannt. So entstanden die Schwesternstädte Drozdovice (Drosendorf) und Jemnice (Jamnitz). Und noch lange nachdem Drozda und Jemna gestorben waren, lebten die Bewohner der beiden Städte in Freundschaft miteinander.

    WIE DIE STADT JEMNICE ZU IHREM NAMEN KAM
    Vor vielen Jahren stand dort, wo heute Jemnice liegt, eine Burg. In Kriegszeiten zog ein feindliches Heer gegen die Stadtmauern. Weil der erste Ansturm erfolgreich abgewehrt wurde, gab der Anführer den Befehl zur Belagerung der Stadt. Er meinte: „Ich erobere sie ohne Kampf. Aushungern werde ich sie alle.“ Die Belagerung dauerte einige Monate und in der Stadt gab es nichts mehr zu essen. Die Einwohner der Stadt wollten sich den Feinden schon ergeben. In der Stadt wohnte jedoch ein Mädchen namens Jemna, die ein zahmes Lamm hatte. Die Bürger wollten das Lamm schlachten und essen. Jemna hatte Mitleid mit dem Lamm, sie nahm es und warf es über die Stadtmauer. Die Bürger waren sehr verärgert über sie: „Was hast du da getan? Das war unser letztes Essen!“ Da geschah ein Wunder. Die feindlichen Soldaten brachten das Lamm zum Anführer und riefen: „Wie groß müssen die Vorräte in der Stadt sein, wenn sie ein Lamm über die Stadtmauern werfen können?!“ Der Anführer staunte und gab den Befehl zum Rückzug. Aus Dankbarkeit ließen die Bürger dem klugen Mädchen eine Statue erbauen und benannten die Stadt nach ihr.

    DIE SCHNECKENREITERIN
    Beim „öden Kirchl“ im Gaberwald haust ein wilder Riese, der eine verwunschene Jungfrau bewacht. Nur ein Bursch von 21 Jahren, der an einem Gründonnerstag geboren ist und in einer Wiege gewiegt wurde, die aus dem Holze eines vom Blitz getroffenen Baumes verfertigt wurde kann sie erlösen. Gelingt es, so hört er das Glöcklein des alten Gaberkirchleins wieder läuten, die schöne Prinzessin reitet ihm sodann auf einer Riesenschnecke entgegen die ein goldenes Haus hat und wird seine Frau. Vor vielen Jahren hat ein Schmiedbursch die Schneckenreiterin erlösen wollen; wie man ihm geheißen hatte warf er unter Aufsagen eines gewissen Sprüchels ein Hackel nach dem Riesen, verfehlte ihn aber und wurde selbst vom Riesen erschlagen. So wartet die Prinzessin bis heute auf ihre Erlösung.

    DIE GEDENKLINDE
    Dort, wo heute das steinerne Kirchlein des Hl. Veit steht, stand früher das Kloster der Brüder des Hl. Franz von Assisi. Die Mönche kümmerten sich gut um ihr Kloster und verbreiteten den reinen Glauben in einer Zeit, als das Königreich Böhmen durch die Hussitenkriege erschüttert wurde. Aber die Ruhe der Mönche und des Klosters währte nicht lange. Das Kloster wurde von Ketzern erstürmt, die es teilweise zerstörten und die Mönche vertrieben. Als die traurigen Franziskaner Jamnitz verließen, wollten sie ein würdiges Andenken hinterlassen. Sie entschieden sich, bei der Klostermauer eine Linde zu pflanzen. „Brüder“ sagte einer von ihnen, „setzen wir die Linde verkehrt ein. Die Krone in die Erde und die Wurzeln in die Höhe. Sollte der Baum trotzdem austreiben, kommen wir sicher zurück.“ Die Mönche stimmten zu, sie setzten die Linde und gingen fort. Und was ist da nicht gar passiert! Nicht lange danach schlug die Linde Wurzeln und die ersten Blätter trieben aus. Die Franziskaner kamen zwar nach einiger Zeit zurück und wollten das Kloster erneuern, dieses war aber stark zerstört und so übersiedelten sie ins benachbarte Dačice. Die Gedenklinde steht aber bis heute in Jamnitz

    DER POSTREITER IM THAYANEBEL
    Die einst bedeutende Poststraße von Wien nach Prag führte über Heinrichsreith und Unterthürnau, dabei war die Thaya ein gar arges Hindernis. Eines Nachts bei einem wilden Gewitter schwoll die Thaya mächtig an und der Postreiter wurde von den Fluten mitgerissen und ein fürchterlicher Fluch hing seitdem an dieser Stelle. In den Thayanebeln erschien nun der Postreiter den Reisenden und klagte sein Leid. „Eine Bruck muss da sein“. Dies führte soweit, dass sich bald keiner mehr an dieser Stelle bei Thayanebel vorbeitraute und die Stadtoberen von Slavonice und Pulkau Geld sammelten um eine Brücke zu bauen. Die beiden Städte hatten nämlich großes Interesse an einem regen Durchreiseverkehr. Und seit dieser Zeit gibt es eine Brücke bei Unterthürnau.

    DIE WINDMÜHLE
    In Jamnitz am Windhügel stand einst eine Windmühle. In ihr wohnte ein junger Müller. Viele Mädchen drehten sich nach ihm um, er aber hatte nur Reichtum im Kopf. Er begann in die Mühle Hexen einzuladen und veranstaltete dort Tanzreigen. Von diesen Tanzreigen erfuhr man in der Hölle und daher wurde der Teufel in die Mühle geschickt. Der kam herbei geflogen und wollte auch tanzen. Der Müller verlangte dafür Reichtum. Und daher trafen sie eine Vereinbarung. Der Teufel erklärte ihm, wie er zu Reichtum gelangen würde und der Müller verschrieb ihm seine Seele. Wie der Teufel ihm geheißen hatte, begab er sich in der Nacht in den Wald und mit Hilfe der Hölle kehrte er mit einem großen Schatz zurück. Der Teufel erinnerte ihn daran, dass er ihn in sieben Jahren holen würde. Der Müller lebte in Saus und Braus und letztendlich fand er sich auch eine Braut. Als das siebente Jahr näher kam, vertraute der Müller seiner Schwiegermutter sein Geheimnis an. Die wusste allerdings Rat. Laut der höllischen Vereinbarung durfte der Teufel in der Mühle nur mit den Hexen tanzen. Bei einem Tanz schob sie ihm also ihre Tochter unter und der Teufel hatte verloren. Die Hölle rächte sich dafür. Der Müller kam um Geld und Mühle.

    DES RÄUBERHAUPTMANN GRASELS LETZTE WALLFAHRT
    Der Grasel und seine Kumpanen unternahmen jedes Jahr eine Räuberwallfahrt nach Maria Schnee um für reiche Beute zu bitten. Die Grasel Geliebte Resi Haumberger trug Jause und Trunk mit. Vorsichtig mussten sie schon sein. Aber beim Maria Schnee-Bründl passierte dann das Unglück. Der Resl fiel der Krug aus der Hand und das heilige Wasser spritzte dem Grasel auf die Hose, worauf er furchtbar fluchte und allseits Gelächter ausbrach. Die Wallfahrt war verdorben und die Gesellschaft vergaß den Wunsch zu sprechen. Worauf im gleichen Jahr dem Grasel kein Beutezug mehr recht gelingen wollte.

    DAS JAMNITZER GESPENST
    Fast in jeder Stadt gibt es ein Gespenst, nur in Jamnitz gab es lange keines. Und daher hatten die Leute nichts, wovor sie sich fürchten konnten. So saßen die Jungen nächtens im Wirtshaus, die Kinder trieben sich nach Sonnenuntergang herum und die Diebe gingen in aller Ruhe auf Beutezug. Bis einmal um die Mitternacht zwei Nachzügler vom Wirtshaus heimkehrten. Plötzlich kam ein Wind auf, die Straßenlaterne ging aus und in der Ferne schlug ein Hund an. Und auf einmal, wie aus dem Nichts, stürzte ein feuriger Hund auf sie zu! Ohne einen Augenblick zu zögern, liefen die zwei davon als würden ihre Sohlen brennen. Am nächsten Tag sprach ganz Jamnitz nur von dem Gespenst. Und in der Nacht erschien der feurige Hund wieder. Niemand trieb sich mehr nach Sonnenuntergang herum und auch das Stehlen hörte auf. Aber bald wurde das Geheimnis um den feurigen Hund gelüftet. Dem Jamnitzer Färber war eine gefärbte Leinwand abhanden gekommen. Daher beschaffte er sich einen großen Hund, rieb ihn mit einer leuchtenden Farbe ein und ließ ihn nachts auf die Stadtmauer. Er erschreckte viele unschuldige Leute, aber in Jamnitz ging es nun ehrbarer zu und dem Färber wurde keine Leinwand mehr gestohlen.

  • Das Drosendorfer Würfelspiel

    Es war vor vielen hundert Jahren, die Mauern der Stadt waren von Feinden ziemlich zerstört, da gab der Kaiser den Drosendorfern einen Teil des Lösegeldes von König Löwenherz, um die Mauern und Türme neu aufzubauen. Die Drosendorfer sollten das Land wieder gut verteidigen können. Es wurde fleißig gearbeitet. Mit großen Karren und vielen Ochsen holte man Steine für die Stadtmauer von weit und breit herbei. Jeden Tag wurde sie ein kleines Stück höher.
    Doch eines Nachts, die Männer schliefen vor lauter Müdigkeit fest auf ihren Strohsäcken, der Nachtwächter war neben einem Bierfass eingeschlafen, wurde die Stadt von fremden Landsknechten überfallen. Der Anführer dieser Landsknechtbande hatte von seinem König den Befehl alle Frauen und Mädchen gefangen zu nehmen und in sein Königreich zu bringen. Das Drosendorfer Frauenvolk war von jeher  für seine Schönheit und Anmut bekannt. So geschah es, dass sich alle Frauen und Mädchen am Hauptplatz versammeln mussten. Das war dem Stadthauptmann natürlich gar nicht recht. Schließlich befanden sich unter den gefangenen Frauen auch sein eigenes Weib und seine zwei Töchter.
    Der Stadthauptmann verhandelte mit dem fremden Rädelsführer. Er bot für die Freilassung der Frauen viele Krüge Wein aus dem Ratsherrenkeller und reichlich Gold und Silber. Nachdem der Anführer einige Krüge Wein getrunken hatte, war man sich des Handels einig. Zehn Körbe gefüllt mit Gold und Silbermünzen sollten die Bürger der Stadt zusammentragen und damit die Frauen freikaufen.
    Manche Bürger gaben keinen einzigen Taler, andere wieder öffneten ihre Truhen, gaben all ihr Vermögen, so dass sie die zehn Körbe füllen konnten. Beim Anblick des Schatzes glänzten die Augen des Anführers, aber es war ihm nicht genug.
    Der Stadthauptmann war ein schlauer Fuchs. Er gab dem Befehlshaber noch einige Krüge Wein zu trinken. Danach spielte er mit ihm das Drosendorfer Würfelspiel. Der Stadthauptmann gewann Spiel um Spiel. Er gewann den gesamten Drosendorfer Schatz zurück, auch die Pferde des Landsknechtpacks, deren Schwerter, Hemden und Hosen. Schließlich mussten die Eindringlinge mit nacktem Leibe Drosendorf verlassen.
    Es wurde ein ordentliches Fest in Drosendorf gefeiert und der Stadthauptmann wurde umjubelt. Auf die Frage, wie er es angestellt hatte, jedes Spiel zu gewinnen, antwortete der listige Stadthauptmann:
    „Spiel mit mir um einen Krug Wein, wenn Du gewinnst, bekommst Du Wein und Würfelspiel“. Der Stadthauptmann behielt sein Würfelspiel bis zu seinem Tode. Das Drosendorfer Würfelspiel wurde von Stadthauptmann zu Stadthauptmann vererbt und durfte nur für Spiele zum Wohle der Stadt verwendet werden.

    Der Nachtwächter aber wurde von den Drosendorfer Frauen gar nicht freundlich behandelt. Ab sofort übernahmen die Drosendorfer Frauen das Geschäft des Nachtwächters. Dies tun sie auch heute noch!

  • Die Entdeckung des „Drosendorfer Mauerzapfens“

    Als im Frühjahr 1991 der Bautrupp der Gemeinde mit einigen Maurern des Baumeisters an der Renovierung der Drosendorfer Stadtmauer tätig war, vermisste man eines Tages bei der gemeinsamen Jause einen der fleißigsten Arbeiter. Roberts Leberkässemmel blieb unverspeist liegen. Und nachdem seine Kameraden die ihren gegessen hatten, beschlossen sie, den Vermissten zu suchen.
    Da entdeckten sie nun ein eingebrochenes Gewölbe, durch dessen Decke der Arme in einen unterirdischen Keller gefallen sein musste. Auf wiederholtes Zurufen kam keine Antwort aus der modrigen Tiefe. Ein furchtloser Gemeindearbeiter mit Namen Vondracek erklärte sich darauf bereit, an einem Seil sich herabzulassen und Umschau zu halten. Der Mann verschwand und blieb verschwunden. Das Seil wurde ohne ihn wieder eingezogen.
    Nun holte man eine Leiter herbei, senkte sie durch die Öffnung hinab und schickte eine Gruppe von gefahrenerprobten Feuerwehrleuten mit ihrem Hauptmann Franz Pupa an der Spitze in das finstere Loch. Als aber nach geraumer Zeit auch von denen keiner zurückkam, lief man sie auch sonst immer zum Bürgermeister Krestan um Hilfe. Der kam, und die Stadträte kamen hinterdrein, der Vizebürgermeister Trimmel wurde vom Wald geholt, und der Pfarrer Karasek durfte auch nicht fehlen, und hinter dem liefen die besorgten Frauen und neugierigen Kinder herbei. Es war, wie man so sagte, eine große Erregung.

    Was sollte geschehen? Der Elektrikermeister Blazek war ein findiger Kopf, er ließ seinen Lehrbuben Walter eine Glühbirne an einem langen Draht montieren und senkte sie daran in die Tiefe. Da sah man nun die Vermissten allesamt friedlich schnarchend neben einem gewaltigen Fass liegen, aus dem der duftende Wein in einen überlaufenden Krug sprudelte. Der Entdecker des Fasses hielt noch den Spund in der Hand. Bald waren die so wenig standfesten Trinker geborgen und wurden auf die Mauerbrüstung zum Trocknen gelegt. Der Baumeister Gerhard Prkna leitete selbst die Bergung des Fasses, er bediente sich der Urkraft des Hammerschmiedes Müllner.
    Der Pfarrer kostete den Wein, der so erstaunliche Wirkung getan hatte. Er kostet einmal, zweimal, dreimal, er drehte die Augäpfel himmelwärts und reichte ein frischgefülltes Glas dem ungeduldigen Bürgermeister. Der trank und schnalzte mit der Zunge. Die Herren des Rates leckten sich schon die Lippen. Doch dann wurde das Fass wieder verspundet und in die Gemeindestube verfrachtet. Dorthin zogen sich die Honoratioren und einige auserwählte Experten, wie der Postmeister Hannes Fröhlich, der Mechanikermeister Pock, die Altstadtwirtin Marie Theres, der Schneiderwirt, vom Goldenen Lamm der Failler Hannes, der Apotheker im weißen Mantel, der Oberschulrat, der einige Rechenstunden ausfallen ließ, die Hauer Marie und andere vielerprobte Kenner zu geheimer Sitzung zurück. Es soll dabei, wie man hört, mehr gesungen als geredet worden sein.

    Am anderen Tag, erst zur Mittagszeit, wurde den staunenden Bürgern kundgetan, dass man in dem geheimen Gewölbe ein Fass mit Drosendorfer Wein gefunden hatte, der offenbar zum Besten gehörte, was man hierzulande, wo es verwöhnte Zungen gibt, je gekostet hatte. Man hatte den Schatz offenbar während der Wirren des Dreißigjährigen Krieges hier eingemauert, um ihn nicht den Feinden in die Hände fallen zu lassen, und ihn später vergessen. Zum Glück für die durstigen Herren vom Gemeinderat.
    Der emsige Stadtamtsdirektor Liegler, der als einziger klarer Kopf bewahrt hatte, hatte auch bereits in den Archiven die Lage des Weinberges ausfindig gemacht, auf dem diese edle Fechsung einst gezogen worden war. Und man war sofort mit dem Röschitzer Weinbauer Ewald Gruber Übereingekommen, dass er eigenes und ausschließlich für die Bürger der Stadt Drosendorf auf der angegebenen Riede Reben pflanzen sollte, damit die Trauben von den Gemeinderäten samt dem Bürgermeister geerntet werden, so wie es vor Jahr und Tag schon geschehen war zum Wohle aller Drosendorfer und ihrer Gäste, die hier gern ein Glas heben.

    Zum Andenken an seine Wiederentdeckung wurde der Wein vom Pfarrer auf den Namen „Drosendorfer Mauerzapfen“ getauft.

    Bei dieser Taufe wurde kein Wasser verwendet.

  • Die Legend der Drosendorfer Kaiserwurst

    Einst, als noch die Poststraße von Wien nach Prag haarscharf an Drosendorf vorbeiführte – nämlich von Heinrichsreith nach Unter-Thürnau und weiter ins Mährische – kamen immer wieder gekrönte Häupter, Generäle, Eminenzen und Landesmütter vorbei. Unter anderem Maria Theresia. Sie war es auch, die später die Poststraße Wien – Prag weiter östlich verlegte, ab das spielt hier keine Rolle.

    Regentin Maria Theresia also kam samt Gefolge den steilen Weg von Heinrichsreith hinab zur Thaya. Um die Brücke toste das Wasser. Starker Regen hatte die Thaya gefährlich ansteigen lassen. Die Brücke schien dem kaiserlichen Tross nicht sicher genug. Nach einiger Beratung stand fest: Man würde in Drosendorf Quartier beziehen. Das Tor zur Stadt ward flugs geöffnet, alle Leute in heller Aufregung. Die Landesmutter bezog das beste Zimmer im Schloss, das heute Maria-Theresien-Zimmer heißt, und die große Gefolgschaft kam in Salons und Ställen unter. Für so viel Menschen gab es in der Schlossküche nicht genug zu essen. Schnell sammelten die Herrschaftsmägde in den Häusern der Drosendorfer Bürger. Auch beim Gefängniswärter.

    Das Gefängnis steht dem Schloss vis-à-vis. Imposant und hoch aufragend steht es auf prominenter Stelle im Herzen der Stadt. Der Gefängniswärter Joseph Stock hatte ein paar Würste abzugeben. Ob sie für die Insassen der Zellen bestimmt gewesen wären, oder für die Mahlzeiten des Gefängniswärters haben die Chroniken nicht übermittelt. Letzteres ist anzunehmen. Genau diese Würste bekamen Maria Theresia und ihr Gemahl Franz Stefan von Lothringen kredenzt. Sie mundeten dem kaiserlichen Paar himmlisch. Dafür wurde der Gefängniswärter Joseph Stock geadelt. „Von Stock“ hieß er nunmehr und er wurde Wurstproduzent.

    Das ärgerte die Wurster und Fleischer von Drosendorf. Ein Gefängniswärter der ein von und zu Wurstproduzent wird, wo hätt’s das schon gegeben? Der Neid wuchs. Die Fleischer schmiedeten dunkle Pläne. Die Bauern belieferten Joseph von Stock mit verdorbenem Fleisch und so kam es, dass der Wurstproduzent eingekastelt wurde. Genau dort, wo er früher Gefängniswärter war. Deswegen heißt das ehemalige Gefängnis im Herzen von Drosendorf auch „Stockkastl“.

    Herr von Stock hat das Rezept nicht preisgegeben und ist im Stockkastl gestorben. Nahm er es mit in sein Armengrab?

    Jahrhunderte später fanden sich in einem der mächtigen Rauchfänge des ehemaligen Gefängnisses geheimnisvolle Ritzungen. Eine Krone, eine Kuh und ein Kalb sind zu sehen, darüber ein Stück Schinken. Nun wissen wir die Zusammensetzung der legendären Stock’schen Würste wieder.

    Seit kurzem werden die Kaiserwürste nach dem verloren geglaubten Rezept wieder produziert. Sie können sich selbst davon überzeugen.

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