| Die Bilderbuchstadt Drosendorf nahm vor langer Zeit ihren Ursprung ! |
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| Das Gebiet um Drosendorf ist seit der Jungsteinzeit - seit etwa 6000 Jahren - besiedelt. Dies ist durch die zahlreichen Bodenfunde belegt. Es gibt auch hallstättisch - keltische Funde aus der Zeit von etwa 400-100 v.Chr. Im 8. und 9. Jh. n. Chr. wird eine Siedlung im Zuge der ersten bayrische Besiedlungswelle vermutet. Der Name Drosendorf könnte von "Dorf des Drozzo abgeleitet werden. |
| 1188 |
| Erste urkundliche Erwähnung Drosendorfs: ein Albero von Drosendorf scheint als Zeuge in einem Schirmbrief des Bischofs von Passau für das kurz vorher (1153) ergründete Stift Geras auf. |
| 1200 ca. |
| In den Jahrzehnten um 1200 ist die Gründung der befestigten Marktsiedlung anzunehmen, die in ihren Anfängen nur eine Holz-Erde-Befestigung aufweist. |
| 1220 ca. |
| Herzog Leopold VI. lässt die Besitzungen der Grafen von Pernegg einziehen, da der Sohn und Erbe des damals verstorbenen Grafen Ulrich ein "Narr und Tor" ist. Drosendorf wird landesfürstlich. In den folgenden Jahrzehnten entsteht der älteste, heute noch bestehende Mauerring |
| 1255 |
| Es scheint ein gewisser Gerwig als Stadthauptmann auf. Man kann daraus schließen, dass Drosendorf damals schon Stadt war. |
| 1278 |
| Drosendorfs große Stunde. König Ottokar zog mit einem Heer ins Marchfeld zur Schlacht gegen Rudolf von Habsburg. Er belagerte mit 18.000 Mann Drosendorf, das sich unter der Führung des Stefan von Maissau 16 Tage lang tapfer verteidigte. Rudolf von Habsburg konnte indessen sein Heer bei Dürnkrut sammeln und formieren. Ottokar verlor die Schlacht und Leben, und die Habsburger regierten fortan in Österreich. Drosendorf wurde kaiserliche Stadt ! |
| 1310 |
| Friedrich III. der Schöne verlieh Drosendorf die gleichen Rechte "an Maut und anderen Dingen, wie sie Laa, Eggenburg und Korneuburg besitzen", mit dem Zusatz "unseren lieben Bürgern von Drosendorf". Diese Städte hatten die gleichen Rechte wie Wien. |
| 1328 |
| Belagerung von Drosendorf durch ein Heer König Johanns von Böhmen. Die auch mit Belagerungsmaschinen angegriffene Stadt wird erst nach sechswöchigem Kampf übergeben. |
| 1359 |
| Herzog Rudolf IV. bewilligt seinem Hauptmann Friedrich von Wallsee-Drosendorf, 400 Pfund für den Ausbau der Befestigung von Drosendorf aufzuwenden. |
| 1379 |
| Die Herzöge Albrecht III. und Leopold III. gewähren den Bürgern von Drosendorf einen herbstlichen Jahrmarkt als Finanzierung einer besseren "Erbauung und Versehung" der Stadt. |
| 1399 |
| Einer der 4 Jahrmärkte die in diesem Jahr von Wohlwollenden Landesherren genehmigt wurden, finden noch jetzt jedes Jahr am 21. Dezember statt: der Thomasmarkt. |
| 1405 |
| Albert von Vöttau überfällt Drosendorf bei Nacht und besetzt die Stadt, kann aber nicht in die gut verteidigte Burg eindringen. Die Stadt wird in der Folge durch ein Hilfskontingent zurückerobert, wobei der Vöttauer sein Leben verliert. |
| 1407 |
| Herzog Leopold iV. verleiht den Bürgern der Stadt das Weinungeld auf drei Jahre, da sie daselbst gemainlich yetzt vnd auch vormals in solcher mass gewüst uvnd verderbet sind, daz Sy sich an vnser hilff daselbst nicht enthalten mügen. Sie sollten die Statt damit bawen vnd pessern an den Stetten un enden, da sein nottdutfft ist vngeuerlivh. 1416 wird ihnen aus gleichen Gründen die Hälfte de Ungeleds für Wein- und Bierschank erlassen. |
| 1453 |
| Oswald von Eitzing erhölt das Schloss, Stadt und Herrschaft Pflegeweise auf Lebenszeit verliehen. |
| 1461-64 |
| wir die Kirche am Stadtplatz errichtet. |
| 1536 |
| Gründung des Bürgerspitals durch Mrakesch von Noskau für 10 "hausarme Leute". |
| 1559 |
| Die Stadt erhält von Kaiser Ferdinand I die Blutgerichtsbarkeit. Die Bürger unterstanden nur dem von ihnen gewählten Richter, nicht etwa der Schlossherrschaft oder einer anderen Obrigkeit. Allerdings galt dieses Recht nur für Verbrechen die innerhalb eines kleinen Bereiches rund um die Stadt verübt wurden. |
| 1560 |
| Der Stadt wird gestattet mit rotem Wachs zu siegeln und es wurde ihr das heutige Stadtwappen mit dem Doppeladler von Kaiser Ferdinand I verliehen. |
| 1563 |
| Ferdinand i. regelt die Rechte und Pflichten der "Gewerken" des Alaunbergwerkes bei Drosendorf und befreit für 10 Jahre von der Steuer - eine Art erste "Grenzlandhilfe". Drosendorf war damals so wichtig, dass die Landesherren immer wieder Zuschüsse zur Erneuerung und Erhaltung der Stadtmauer gewährten. |
| 1613 |
| Kaiser Mathias bewilligt einen zusätzlichen Jahrmarkt, da die Bürger von Drosendorf ihr Nahrung maistenthails mit harter Mhüee vund Arbaydt gewinnen müssen; außerdem wären sie durch Einquartierungen, durchziehendes Kriegsvolk und sonstige Ungelegenheiten in Armut geraten. |
| 1627 |
| Ferdinand II. bestätigt die Rechte und Freiheiten der Stadt Drosendorf |
| 1630 |
| Andre Mrakesch von Noskau stellt der Stadt nachträglich einen Kaufbrief über von seinem Vater Wenzel am 22. 1. 1574 an die Stadt verkauften 10 Viertel Weingärten bei Retz. |
| 1645 |
| Die Schweden ziehen an Drosendorf vorbei, weil sie die Stadt gut vertheidiget fanden |
| 1702 |
| Die Reliquien der HL. VALENTINA kommen als Geschenk des Papstes an Gräfin Eleonore Lambert nach Drosendorf. Das Sterbejahr ist auf einer Steinplatte mit 317 angegeben. |
| 1846 |
| Großer Stadtbrand am 29. Juni. Das Dach des Kirchturmes brannte ab, die Glocken fielen herab, ein Großteil der Häuser sowie der Turm des Raabser Tores wurden ein Raub der Flammen |
| Stadtgeschichte von Drosendorf nach der Bauuntersuchung von Mag.M. Ronald Woldron und DI Raimund Rhomberg |
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Die
ältesten Teile der Stadtbefestigung konnten im Bereich des Horner
Tores, an der West- und an der Südwestseite der Stadt nach-gewiesen
werden. Es handelt sich um Reste einer Stadtmauer des 13.
Jahrhunderts, deren Mauertechnik – lagerhaftes Bruchsteinmauerwerk
mit teilweise in niedrigen Kompartimenten versetzten Außenschalen
– auf eine Errichtung in den Jahren um 1220/70 schließen lässt.
Die Mauerstärken betragen an den beiden Torseiten beachtliche 1,4
bis 1,7 m, wobei beim Horner Tor vermauerte Zinnen eine ursprüngliche
Höhe von mehr als 8 m dokumentieren. An der durch das Gelände
besser geschützten Südwestseite der Stadt hielt man hingegen eine
Mauerstärke von etwas mehr als 1 m für ausreichend. Die ältere
Stadtmauer wurde deshalb im 14./15. Jahrhundert verstärkt und erhöht
bzw. gänzlich abgetragen, um sie wie an der Nord- und Ostseite der
Stadt durch einen zeitgemäßen Neubau zu ersetzen. Trotzdem
entspricht der heutige Verlauf der rund 1,2 km langen Stadtmauer
weitgehend dem der Anlage des 13. Jahrhunderts, mit einer Ausnahme;
der östliche Teil der Südwestmauer biegt frühestens seit der spätgotischen
Erweiterung der Stadtburg leicht nach Südwesten. Dass
auch die in der südlichen Stadtecke errichtete Burg zumindest auf
die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurückgeht, lässt sich
anhand der entsprechenden Mauertechnik verschiedener Bauteile
belegen. Hervorzuheben sind die im Dachraum des Südosttraktes
sichtbaren Reste eines spätromanischen Turmes, der die südliche
Ecke von Stadt und Burg gebildet haben dürfte. Er markierte weithin
sichtbar den Sitz der (Stadt-)Herrschaft. Nördlich
der Burg steht an der höchsten Stelle der Stadt die ehemalige
Filialkirche St. Martin, ein romanischer Saalbau mit Rundapsis.
Seine teilweise freiliegenden Mauerstrukturen unterscheiden sich
einerseits deutlich von denen der Stadtmauer des 13. Jahrhunderts,
lassen sich andererseits aber gut mit der Bautechnik der ehemaligen
Klosterkapelle von Pernegg oder des Langhauses der Stiftskirche von
Geras (um 1180/82d) vergleichen. Es ist daher davon auszugehen, dass
die Martinskirche bereits unter den Grafen von Pernegg errichtet
wurde, als diese um 1170/1210 westlich des alten Siedlungszentrums
von Drosendorf eine befestigte Marktsiedlung anlegen ließen. Schon
damals wird auch der ursprüngliche Herrschaftssitz auf dem so
genannten Hausberg nordöstlich der Pfarrkirche, dessen Fundkeramik
bis in das 11. Jahrhundert zurückreicht, an die Stelle des heutigen
Schlosses verlegt worden sein. Wie viele andere Gründungen dieser
Jahrzehnte war die neue Siedlung mit einem großen Dreiecksplatz
ausgestattet. Neben der zentralen Lage im Altstrassennetz ist die in
wehrtechnischer Hinsicht besonders vorteilhafte Situierung auf einem
felsigen Sporn in einer Thayaschlinge hervorzuheben. Wahrscheinlich
ist, dass die Siedlung zu Beginn nur durch eine
Holz-Erde-Befestigung gesichert wurde, wie das etwa auch die Bärenhaut
zu den Anfängen der Stadt Zwettl vermerkt. In
die Jahre um 1260/1300 ist die spektakuläre architektonische
Aufwertung der südlichen Stadtansicht durch die beiden das Horner
Tor flankierenden Türme zu setzen. Sie wurden der älteren
Stadtmauer unmittelbar vorgebaut und waren auch von deren Wehrgang
aus zu betreten. Nur an den Werksteinen des Ostturmes finden sich
Steinmetzzeichen. Sein von zwei Schlitzfenstern belichtetes 1.
Obergeschoß war mit Eckkamin und Aborterker wohnlich ausgestattet.
Über eine in der Mauerstärke angelegte Stiege konnte das
gleichfalls über einen Kamin beheizbare 2. Obergeschoß erreicht
werden; ein mögliches 3. Obergeschoß müsste spätestens im 17.
Jahrhundert abgetragen worden sein. Auch der Westturm bewahrt in
seinem 1. Obergeschoß Reste eines Eckkamins und den Zugang zu einem
Aborterker, wobei die torwegseitige Sitznische mit ihrem
spitzbogigen Doppelfenster die repräsentativen Absichten des
Bauherrn bekundet. Ob die beiden Türme bereits vor oder erst nach
der Belagerung durch König-Herzog Ottokar errichtet wurden, war aus
bauhistorischer Sicht nicht zu entscheiden. Ebenso offen ist die
Frage nach dem Bauherrn des Torensembles, der sich am Vorbild der in
Niederösterreich seltenen Doppelturmtore orientierte. Annähernd gleichzeitig könnte der von Gerhard Seebach
auf dem Gelände des ehemaligen Brauhofes nachgewiesene, große
Steinbau entstanden sein, der als möglicher Adelssitz auch der zusätzlichen
Sicherung des Raabser Tores gedient hätte. Unmittelbar südlich
dieses Tores stand außerdem ein um die Mitte des 19. Jahrhunderts
abgebrochener, hoher Turm. Von ihm ist heute nur mehr ein Teil der
auf die Stadtmauer des 13. Jahrhunderts gestellten Außenmauer
erhalten. Die in niedrigen Kompartimenten zusammengefassten
Mauerstrukturen legen eine Bauzeit um 1280/1350, zumindest aber um
1280/1400 nahe. Alte Ansichten zeigen den Turm schlank hochragend
mit einem vor- kragenden, wohl hölzernen Abschlussgeschoß, das
auch einem nachträglichen Ausbau angehört haben könnte. Fünfzig
Jahre nach der Belagerung durch König-Herzog Ottokar mussten sich
die Befestigungsanlagen von Drosendorf ein weiteres Mal bewähren.
1328 war es ein Heer König Johanns von Böhmen, das die Stadt mit
allen Mitteln der Kriegstechnik einzunehmen suchte. Sie wurde nach
sechswöchigen Kämpfen übergeben. König-Herzog
Ottokar und nach ihm Rudolf von Habsburg verfügten über Drosendorf
als Allodialerbe. Unter den Habsburgern wurde die Herrschaft meist
als Pfand ausgegeben; so etablierte sich im 14. Jahrhundert eine
Linie der Wallseer in Drosendorf und nannte sich auch nach der
Stadt. Historische Hinweise auf einen Ausbau der Befestigungsanlagen
liegen für die zweite Hälfte des Jahrhunderts vor. Herzog Rudolf
IV. – der in seinen phantasievollen großen Titel auch den eines
Markgrafen zu Drosendorf aufnahm – bewilligte 1359 seinem
Hauptmann Friedrich von Wallsee-Drosendorf, insgesamt 400 Pfund dafür
aufzuwenden. 1379 gewährten die Herzöge Albrecht III. und Leopold
III. einen herbstlichen Jahrmarkt als Finanzierung einer besseren Erbauung
und Versehung der Stadt. Diese Angaben fügen sich gut in das
Bild des heutigen Baubestandes, aus dem hervorgeht, dass die
Stadtmauer des 13. Jahrhunderts im 14./15. Jahrhundert weitgehend
erneuert wurde. Während man an der Südwestseite die ältere
Bausubstanz – die übrigens starke Brandrötung aufweist –
teilweise mit einzubeziehen versuchte und damit statische
Schwachstellen in Kauf nahm, entschied man sich an den mehr gefährdeten
Seiten im Norden und Osten für einen vollständigen Neubau. Höhe
(ca. 10 m) und Stärke (ca. 1,9 m) der neuen Mauer verdeutlichen die
gegenüber dem 13. Jahrhundert erheblich gestiegenen Standards im
Befestigungsbau. An den bereits ursprünglich verstärkt ausgeführten
Torseiten wurde die Mauer allerdings nur erhöht. Die Zinnen der
gotischen Stadtmauer waren teilweise mit Spähscharten ausgestattet,
finden sich seit dem 19. Jahrhundert aber nur mehr an sieben Stellen
mehr oder weniger gut erhalten. Unter den weiteren baulichen Details
sind neben zahlreichen integrierten Entwässerungsschächten, die
das ungefähre mittelalterliche Begehungsniveau des Stadtgebiets
anzeigen, vor allem die kleinen Mauervorsprünge an der Nordostecke
und an den beiden Westecken der Stadt bemerkenswert. Sie fallen
heute kaum auf, doch liegt es nahe, dass sie gemeinsam mit einer
differenzierten Putzgestaltung markante Ecklösungen ausbildeten.
Vermutlich waren der Mauer in diesen Bereichen mächtige hölzerne
Wehreinrichtungen aufgesetzt. Darauf deutet auch hin, dass die an
der Westseite erhaltenen Zinnen erst etwas mehr als 7 m von der
nordwestlichen Ecke entfernt beginnen. Nicht zuletzt die durch
Kompartimente geprägten, bereits relativ stark ausgezwickelten
Mauerstrukturen lassen auf eine Errichtung der gotischen Stadtmauer
in den Jahren um 1330/1450 schließen. Gleich
zu Beginn des 15. Jahrhunderts – im Jahr 1405 – war Drosendorf
wieder von schweren Kämpfen betroffen. Mit etwa 500 Mann nahmen die
Herren von Vöttau die Stadt bei Nacht im Handstreich ein,
scheiterten aber an der Eroberung der Burg, die vom Ritter Zacharias
Haderer mit Steinen und
Pfeilen mannhaft
verteidigt wurde. Haderer sendete an Herzog Wilhelm um Hilfe und
konnte bald darauf dessen mit Bauern und Bürgern verstärkte
Entsatztruppen durch eine Pforte in die Burg einlassen. Von hier aus
stießen sie in die Stadt vor, wo die Leute der Vöttauer großteils
niedergemacht wurden; auch Albrecht von Vöttau wurde von mitkämpfenden
Bauern aus Rache getötet. Bereits 1407 soll die Stadt ein weiteres
Mal eingenommen worden sein, diesmal von Anhängern Herzog Leopolds.
Die Schäden müssen jedenfalls erheblich gewesen sein, wie landesfürstliche
Unterstützungen zum Wiederaufbau dokumentieren. Allgemein waren es im 15. Jahrhundert vor allem die Erfahrungen der Hussitenkriege, die im nördlichen Niederösterreich zu einer auf den Einsatz von Feuerwaffen ausgerichteten Modernisierung der Stadtbefestigungen führten. In Drosendorf ist außerdem das noch vor der Jahrhundertmitte einsetzende Engagement der Eitzinger hervorzuheben. Nachdem Oswald von Eitzing im Jahr 1453 Schloss, Stadt (?) und Herrschaft pflegsweise auf Lebenszeit verliehen bekommen hatte, ließ er 1461/64 eine neue Kirche auf dem Stadtplatz errichten. In die Jahre um 1460/1510 ist auch die spätgotische Zwingerbefestigung zu stellen, die der Stadtmauer mit Ausnahme der Südwestseite durchgehend vorgelegt wurde. Steinmetzzeichen an den Werksteinen der Schießfenster sowie die übereinstimmenden Detailformen zeigen, dass es sich um einen weitgehend einheitlichen Ausbau handelt. Besonders an der durch möglichen Beschuss gefährdeten Südseite finden sich bereits größere Steinblöcke in die Mauerschalen eingesetzt und mit kleinteiligerem Material ausgezwickelt, eine Mauertechnik, die sich regional erst im Verlauf der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts allgemein verbreitete. Die mit zahlreichen Schießscharten versehene Zwingermauer wies einen geraden oberen Abschluss ohne Zinnen auf. Dies steigerte die architektonische Wirkung der zweigeschossigen Rondelle und Flankierungstürme, die die Mauer in regelmäßigen Abständen verstärkten und mit einem oberen Zinnen-Wehrgeschoß abschlossen. Den
gefährdeten Bereich südlich des Schlosses und westlich des Horner
Tores sicherten zwei Rondelle mit beachtlichen Mauerstärken um die
2,2 m. Von einem an das Eckrondell westlich angefügten Bau fällt
heute vor allem ein aus der Außenmauer vorspringender Aborterker
auf, der an die alltäglichen Bedürfnisse einer Wachmannschaft
erinnert. Das untere Wehrgeschoß wurde bei beiden Rondellen mit
jeweils einem gefassten Werksteinfenster (Steinmetzzeichen am östlichen
Rondell, das außerdem noch eine Schlitzscharte aufweist) und einer
in Richtung Horner Tor orientierten Schlüsselscharte ausgestattet.
Hier konnte man zusätzlich zur Verwendung von Handfeuerwaffen auch
kleineres Geschütz aufstellen. Das Zwingertor des Horner Tores
wurde im 19. Jahrhundert abgetragen. Alte Ansichten zeigen einen
zweigeschossigen Rechteckturm mit Zinnenkranz, dessen
Tor-Portal-Ensemble Vorrichtungen für Zugbrücken aufwies. Bei
einer oberhalb der Tordurchfahrt gemalten (?) Heiligenfigur (?) dürfte
es sich um eine neuzeitliche Zutat gehandelt haben. Auf die Südostecke
des Zwingers, wo aufgrund des steil abbrechenden Felsgeländes kein
Rondell errichtet werden konnte, folgt die Ostseite mit zwei sehr
kleinen, rechteckigen Flankierungsbauten. Die Nordostecke der
Zwingerbefestigung wird von einem fünfseitigen Turm markiert, der
sich schon aufgrund seines Grundrisses von den anderen
Befestigungsbauten des Zwingers abhebt. Sein mit Schießscharten und
Schießfenstern (Steinmetzzeichen) versehenes Wehrgeschoß besitzt
feldseitig ein auf den ersten Blick mysteriöses Kragsteinportal.
Eine das Portal rahmende Blendnische und die zugehörige, vermauerte
Seilführung belegen eine ehemalige Zugbrücke. Auf die ursprüngliche
Situation verweist außerdem eine Federzeichnung von 1677, die noch
zwei im Vorfeld des Turmes im Bereich des Grabens errichtete
Mauerpfeiler zeigt. Diese Pfeiler könnten ein hölzernes Wehrhäuschen
getragen haben, das über die kleine Zugbrücke zu erreichen war.
Falls aber bereits damals der mächtige Erdwall bestand, so wäre
auch eine Holzbrücke denkbar, die vom Zwingerturm über den Graben
zu einer die steilen Abhänge flankierenden Vorbefestigung führte. An
der Nordseite ist von den ursprünglich fünf halbrunden Rondellen
(oder Flankierungstürmen) nur der östlichste Bau gut erhalten. Er
besitzt noch beide Wehrgeschoße mit allen Schießscharten, ein
Schießfenster (Steinmetzzeichen) und den Zinnenabschluss; ihm kommt
damit große Bedeutung für die Rekonstruktion der
Zwingerbefestigung zu. An der Nordwestecke des Zwingers steht ein
mit drei Schießfenstern (Steinmetzzeichen) ausgestattetes Rondell.
Die anschließende westliche Zwingermauer, in der neben einigen
Schießscharten auch zwei Schießfenster sowie ein Torbau des 16.
Jahrhunderts erhalten sind, läuft im Süden über eine Baufuge an
den südwestlichen Eckturm an. Dieser mächtige Rundturm, der sich
durch Mauerstärken bis zu 3 m auszeichnet, ist an die Südwestecke
der Stadtmauer angebaut und beschließt damit den Zwinger. Wie etwa
auch am Sattigturm in Zwettl sind keine Schießscharten vorhanden, für
das mögliche Aufstellen von Geschütz stand daher nur ein oberes,
nicht mehr erhaltenes Wehrgeschoß zur Verfügung. Möglicherweise
wurde der Turm bereits vor oder um die Mitte des 15. Jahrhunderts in
Folge der Hussitenkriege errichtet. Auch der bastionsartige
Flankierungsbau an der Südwestseite der Stadt, den eine Relation
von 1645 als „Ausfall“ bezeichnet und der mit Schlitzscharten
und Zinnen ausgestattet war, könnte noch dem 15. Jahrhundert angehören;
eine spätere Errichtung im 16. Jahrhundert ist aber keinesfalls
auszuschließen. Von ihm führte ein heute vermauertes Portal zu
einem halbrunden, weit in das felsige Terrain vorgeschobenen
Rondell, von dem aus Berghang und Strasse gut überwacht werden
konnten. Weiter südöstlich steht die Flucht der Stadtmauer
offensichtlich mit der spätgotischen Erweiterung der Burg in
Zusammenhang und biegt hier leicht nach Süden. Da die Mauertechnik
erst im Bereich der Schießstätte den Gegebenheiten der südlichen
Zwingerbefestigung entspricht, bestehen grundsätzlich zwei Möglichkeiten:
Die ursprünglich weiter innen anzunehmende Stadtmauer könnte im
Zuge der spätgotischen Bautätigkeit abgebrochen und durch die
heutige Mauer ersetzt worden sein. Ebenso wahrscheinlich ist aber,
dass sie erst im 16. Jahrhundert aufgegeben wurde, womit der oben
erwähnte Mauerzug bei der Schießstätte einen westlich der Burg
angelegten Zwinger dokumentieren würde. Im Bereich des Burggrabens haben
sich außerdem Reste eines kleinen, sekundär an die Stadt- oder
Zwingermauer angebauten Flankierungsbaus mit zwei Schießscharten
erhalten. Bereits damals sicherte eine weitere Vorbefestigung jenen
an der Ostseite der Schießstätte gelegenen, felsigen Sporn, auf
dem heute das so genannte Hexenhäuschen steht. Die spätgotische
Bautätigkeit an der Burg selbst – zu der unter anderem ein
rippen- und kreuzgratgewölbter Zweistützenraum im Kellergeschoß
des Nordwesttraktes gehört – wäre nur durch invasive
Bauforschung verlässlich zu erfassen. Die Ansichten des 17.
Jahrhunderts zeigen eine baukörperlich stark differenzierte Anlage
mit zahlreichen Wehreinrichtungen. Neben den unter den Dachtraufen
vorspringenden Holzgängen fällt vor allem ein vom hoch aufragenden
Burgturm aus zugängliches Wehrhäuschen auf. Es war auf einen in
den südlichen Zwinger vorgebauten Mauerpfeiler gesetzt und könnte
damit einen Hinweis auf das Aussehen jenes oben erwähnten Wehrhäuschens
geben, das möglicherweise dem nordöstlichen Eckturm der
Zwingerbefestigung vorgelegt war. Noch
vor Ende des Jahres 1503 wurde die Herrschaft Drosendorf an die
Herren von Morakschi verpfändet. Sie stifteten im Jahr 1536 das Bürgerspital
und ließen annähernd gleichzeitig die Burg repräsentativ
ausbauen, worauf heute noch ein spolierter Wappenstein von 1548 im
Schlosshof und reich profilierte Fenstergewände im Nordwesttrakt
verweisen. 1556 vermerkten die ständischen Verordneten, dass das
Schloss sambt der Stadt mit
geschüz und pulfer versehen sei, Stadt und Herrschaft also
gleichermaßen gut gerüstet waren. Während für das 16.
Jahrhundert kein ernsthafter Angriff auf Drosendorf überliefert
ist, mussten sich die Befestigungsanlagen in den Wirren des 30-jährigen
Krieges ein weiteres Mal bewähren. 1620 lag ein Heer unter Herzog
Christian von Anhalt 11 Tage lang vor der Stadt, konnte sie aber
nicht einnehmen. Auch in einer Relation von 1645 wird Drosendorf als
„guter Platz“ bezeichnet,
der durchaus gegen eine ganze Armee verteidigt werden könnte. Wie
aber sahen die baulichen Maßnahmen aus, mit denen die
mittelalterlichen Befestigungsanlagen erfolgreich den
kriegstechnischen Entwicklungen der Neuzeit angepasst worden waren?
In erster Linie musste hier der zerstörenden Wirkung der weiter
entwickelten Artillerie Rechnung getragen werden. Dies ist vor allem
an der Ostseite der Stadt sinnfällig, wo die Südostecke des
Zwingers bastionsartig ausgebaut wurde. Auch den südlichen
Flankierungsbau des östlichen Zwingers ließ man angriffseitig
massiv verstärken, in einer zweiten Bauphase auch die Zwingermauer
selbst. Der in diesem Bereich vorgelagerte Mauerrest am
Promenadenweg geht allerdings nicht auf einen „3. Mauerring“
zurück. Seine im unteren Bereich fehlende äußere Mauerschale
zeigt die bescheidenere Funktion als Gegenmauer eines Wallgrabens
an. Einen
wichtigen Aspekt bedeutete die zusätzliche Sicherung der beiden
durch ebenes Vorgelände gefährdeten Torseiten. Hier wurden auf der
Außenseite der tiefen Halsgräben – teilweise über älteren
Mauerresten – zwei starke Vorwerke errichtet, die in einem ausführlichen
Bereitungsprotokoll von 1670 als halbe
Monde bezeichnet sind. Das Vorwerk des Horner Tores ist heute
fast gänzlich verschwunden. Ansichten des 17. und 18. Jahrhunderts
zeigen einen zweigeschoßigen Torturm mit Zinnenabschluss, der in
eine mächtige, mit Sturmpfählen bewehrte Mauer-Wallbefestigung
integriert war. Nach Westen hin bestand ein zweites, kleineres
Mauertor, von dem aus ein Weg hinunter zur Thaya führte. Weit
besser lässt sich das Vorwerk des Raabser Tores im Gelände
nachvollziehen. Hier blieb die nördliche Wehrmauer fast vollständig
erhalten, mit dem seitlichen Gewände und Bogenansatz des Tores. Südlich
des Torweges bestand angriffseitig eine dem Vorwerk des Horner Tores
entsprechende Mauer-Wallbefestigung. Von ihr sind noch Reste der
Innenmauer vorhanden, deren fehlende Außenschale die ursprüngliche
Situation des gegen die Mauer geschütteten Erdwalls dokumentiert. Möglicherweise
gleichzeitig mit der Anlage des Vorwerks wurde das diesem gegenüber
liegende Tor des Zwingers neu errichtet. An ihm sind neben den
Vorrichtungen für eine Zugbrücke die über einem profilierten
Gesims ansetzenden Rundzinnen bemerkenswert. Sie lassen auf eine
Bauzeit um 1560/1610 schließen. Ebenso wichtig wie die Errichtung der Vorwerke und das Verstärken gefährdeter Mauerteile war die Adaptierung der mittelalterlichen Wehrgänge für den Einsatz von Feuerwaffen. Zwischen die Zinnen der Stadtmauer ließ man – teilweise vielleicht auch vor 1500 – Hakenbüchsenscharten einbauen. Zudem wurden zahlreiche mit Schießscharten versehene Blockhäuser auf die Stadtmauer aufgesetzt, die freilich nur indirekt anhand von Baufugen oder in Bild- und Schriftquellen überliefert sind. Erhalten blieben unter anderem Reste einer zusätzlichen inneren Zwingermauer südlich des Schlosses, die an den Westturm des Horner Tores anläuft, sowie der Unterbau eines auf der südöstlichen Zwingerbastion errichteten Rundtürmchens. 1667 wurde südwestlich des Schlosses anstelle einer älteren, vom Schloss aus über eine Holzbrücke zugänglichen Befestigung die Schießstätte angelegt. In einem ausführlichen Bereitungsbericht von 1670 finden sich zahlreiche Vorschläge zur Instandsetzung und Verbesserung der Befestigungsanlagen und noch 1684 wurde Drosendorf als Fluchtort für die Bevölkerung der umliegenden Dörfer bestimmt. Bald danach traten aber die strategischen Interessen immer mehr in den Hintergrund. Ein Gemälde von 1726 präsentiert die südliche Stadtecke bereits mit wohnlich-repräsentativem Barockschloss und parkartigem Zwingergelände, auf dessen Wehrmauern sich statt Kriegsknechten nun Amphoren und Statuen tummelten. Es war aber vor allem das 19. Jahrhundert, in dessen Verlauf es zu bedeutenden Verlusten an historischer Bausubstanz kam. Demoliert wurden unter anderem Tore, Vorwerke, Teile des Zwingers und der hohe Turm beim Raabser Tor. Zudem verwertete man die Zinnen der Stadtmauer als billiges Baumaterial und die Wallgräben wurden großteils eingeebnet. Auch die Stadt selbst verlor als Folge des Großbrands von 1846 ihr mittelalterlich-frühneuzeitliches Gepräge. |
| Drosendorf, eine Stadt mit Geschichte. |
| In romantischer Lage, auf einen an drei
Seiten von der Thaya umflossenen Felsplateau, liegen Schloss und Stadt hoch
über der Thaya. Unweit einer älteren Ansiedlung, die sich um die
Altstadtpfarrkirche gruppiert, war um 1100 aus strategischen Überlegungen
diese Grenzfestung gegen Mähren entstanden. Noch heute ist die Turm
bewährte Stadtmauer mit den beiden Stadttoren zur Gänze erhalten, in die
an der Angriffsseite die Stadtburg mit einbezogen ist. Seit dem Jahre 1988
wird die Stadtmauer restauriert, die Arbeiten sind noch nicht
abgeschlossen. Erstmals 1240 wird Drosendorf in einer Urkunde als "oppidum" - als "Stadt" bezeichnet. Allerdings erfahren wir von einem Stadtrechte erst 1310, das 1399 umfassend bestätigt und erneuert wird, da die alten Dokumente während einer Feuersbrunst vernichtet worden waren. Das Wappen mit dem Doppeladler über dem Stadttor spricht noch heute von der ehemaligen Bedeutung dieser Stadt als landesfürstliche Greszveste, nach der Herzog Rudolf IV. Auch den Titel "Markgraf von Drosendorf" führte. Die Grenzlage der kleinen Stadt brachte es mit sich, dass Drosendorf oftmals unter feindlichen Anstürmen zu leiden hatte. Schon 1176 bewährte sie sich gegen die einbrechenden Böhmen und Mährer, um 1230 abermals in Schutt uns Asche zu sinken. 16 Tage konnte Drosendorf die Belagerung durch Ottokar II. Premysl standhalten, ehe sich die Stadt am 4. August 1278 ergab, was für den Böhmenkönig beim Aufmarsch zur Entscheidungsschlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen führte und damit wohl mit zum Sieg des weit schwächeren Fähnleins des Rudolf von Habsburg beigetragen hat. Im Spätmittelalter wurde Drosendorf mehrfach belagert und erobert: 1328 durch König Johann III. von Böhmen, der im Zwist des habsburgischen Brüder dem Herzog Otto zu Hilfe geeilt war, dann 1405 durch mährische Raubritter von Burg Vöttau (heute Bitov) und 1407, als die Truppen Herzog Leopolds IV. die Stadt verwüsteten, weil die Bürger seinen Bruder Ernst als Landesherrn die Treue hielten. Später kamen die Husitten, und 1486 wurde Drosendorf von den Horden des Ungarkönigs Matthias Corvinus niedergebrannt. 1620 konnte Christian von Anhalt die Stadt nicht einnehmen, doch 25 Jahre später musste sie sich den Schweden ergeben. Im Krieg Kaiser Karls VI. gegen die Franzosen wurde Drosendorf 1735 von den verbündeten Sachsen besetzt. Französische Soldaten zogen 1805 und 1809 hier ein, und Preußens Gloria herrschte 1866 in der Stadt, die ab 1945 für zehn Jahre zur russischen Besatzungszone gehören sollte. Den Kern der Stadt bildet ein großer, angerförmiger Dreieckplatz, dessen Längsseiten von einstöckigen, traufen- und giebelseitig aneinandergereihten Häusern gesäumt werden. Nicht ohne Wirkung auf das Ortsbild blieben die Stadtbrände von 1742 und 1846, so dass heute neben barocken Giebelhäusern spätbiedermeierliche Bürgerhäuser stehen und sich vereinzelt an den Fassaden auch Elemente des Historismus und des Jugendstils finden. Von 1976 bis 1984 wurden im Rahmen einer Fassadenaktion viele Häuser am Hauptplatz renoviert. Heute präsentiert sich die Stadt Drosendorf als idealer Erholungs- und Urlaubsort, mit der nötigen Infrastruktur im Sport-, Freizeit- und Unterhaltungsbereich. |
| Drosendorf, ein Denkmal. |
| In dem großen Werk "Denkmal
Stadt", das die bedeutendsten Stadtdenkmale Österreichs
darstellt, entfallen auf Niederösterreich 23 historische
Stadtensembles. Darunter auch die Stadt Drosendorf im Nordosten des
Waldviertels. Die Bemühungen der Bewohner und der Stadtväter zur Bewahrung ihres historischen Erbes werden durch das Interesse der Besucher und stets zahlreicher werdende Sommergäste entsprechend belohnt. In Drosendorf hat man sich nämlich schon vor Jahren mit vorbildhaften Aktionen die Erhaltung der Altstadt zum Ziel gesetzt. Die Stadt in ihrer Gesamtheit ist in der Tat ein hervorragendes historisches Denkmal. Ihr Geschichte wird dem Besucher auf Schritt und Tritt demonstriert, die Stadt wirkt zeitlos und lebendig zugleich. Ihre menschengerechten Dimensionen und Strukturen strahlen Ruhe und Geborgenheit aus, nicht zuletzt deswegen erfreut sie sich bei Künstlern und Kulturschaffenden großer Beliebtheit. Der Reiz der Stadt liegt in ihrer Lage und in ihren Bauten. Sie wurde um 1200 auf einer beträchtlichen Felskuppe, die von der Thaya umflossen wird, zum Schutze der Grenze gegen Mähren gegründet. Die großen Befestigungsanlagen sind bis heute zum Großteil fast unverändert erhalten. Die 1,7 km lange Stadtmauer und die zur Befestigung gehörenden Türme, Tore und Gräben sind interessante Ziele eines Kulturspazierganges. Das ganze planmäßig und wie aus einem Guss geschaffene Stadtgebilde entspricht einem verlängerten Dreieck, auch der große Hauptplatz ist dreieckförmig angelegt. Auf dem breitesten Abschnitt steht die Kirche, ein spätgotischer Bau mit kreuzrippengewölbtem Langhaus und größtenteils barocker Einrichtung. Drosendorf erhielt übrigens bereits 1310 von Herzog Friedrich das Stadtrecht. Rudolf IV. führte die Stadt sogar in einem seiner Titel, er nannte sich "Markgraf von Drosendorf". Kein Wunder, dass die Stadt viele Rechte und Privilegien erhielt. Vielleicht ist deswegen die Prangersäule auf dem Hauptplatz als Zeichen der städtischen Gerichtsbarkeit gar so groß ausgefallen. Jedenfalls zählt sie mit ihren über acht Metern zu den höchsten Prangersäulen Mitteleuropas. Sehr schön ist auch die Dreifaltigkeitssäule und der Stadtbrunnen. Das frühbarocke Bürgerspital mit der Kapelle in einer der unbedingt sehenswerten Hintergassen von Drosendorf lohnt einen Spaziergang und einen Besuch, denn in seinen Räumlichkeiten ist das alte Heimatmuseum untergebracht. Es zählt zu den ältesten Ortsmuseen in Niederösterreich und besteht hauptsächlich aus Exponaten, die der Heimatforscher Franz Kießling zusammengetragen hat. Kießling übersiedelte als junger Mann von Wien nach Drosendorf, lebte von seinem bescheidenen Vermögen und ganz nach seinen Interessen, wie es so schön heißt. Dieses Interesse galt dem Sammeln volkskundlicher Gegenstände. Zwei Räume im Bürgerspital dienten ihm als Wohnung, Museum, Depot und Werkstätte. Neben dem erweiterten Kießling-Museum befindet sich im Bürgerspital eine Galerie, die sich der Gegenwartskunst widmet. Derzeit werden weitere Räume im Bürgerspital für eine Bilderbuchwerkstätte adaptiert. Bedingt durch die Berglage und die Verkehrsabgeschiedenheit, kam es im Drosendorfer Stadtensemble zu keinen nennenswerten neuzeitlichen Veränderungen. Nur die Fassaden einzelner Häuser wurden umgestaltet, zum Teil auch als Folge des Brandes im Jahr 1846. Man sieht daher in Drosendorf Renaissance-, Barock- und Biedermeierfassaden sowie einige aus der Epoche des Jugendstiles nebeneinander. Besonders reizvoll sind die kleinen Barockfassaden mit den schneckenverzierten Voluten, überschattet von den auf winzigen Hügeln stehenden mächtigen Linden- und Kastanienbäumen. Das heute noch als "Templerhaus" bezeichnete Gebäude erinnert an die Herren von Eibenstein, die als Mitglieder des geheimnisvollen Templerordens in die Geschichte eingegangen sind. Auch das Hexenhaus, das Kugelhaus und das Götzenmanderl sind überlieferte Bezeichnungen aus mythischer Vergangenheit. Das sogenannte "Stockkastl" am Schlossplatz ist ein auffallend hoher Bau, dessen ursprünglicher Verwendungszweck bis heute nicht geklärt werden konnte*. Im 17.Jahrhundert diente es als Schüttkasten und im 18. Jahrhundert als Gefängnis. In Drosendorf gibt es aber noch einen mächtigen barocken Schüttkasten, weithin auf einer Anhöhe südlich der Stadt. Besonders liebenswert und heute bereits ausgesprochene Sehenswürdigkeiten sind der kleine Bahnhof im Heimatstil und das alte Thayabad, das durch viele Details wie den walmgedeckten Kabinenpavillon, das Glockentürmchen und die ausgesägte Holzbalustrade seinen nostalgischen Reiz bewahren konnte. Das elegante Schloss am östlichen Ende der Stadt stammt aus der Zeit um 1700, nachdem ein älterer Bau einem Blitzschlag zum Opfer fiel. Sehr schön ist die Schlosskapelle, die sich an das Hauptgebäude schmiegt. Zahlreiche Räume weisen noch die originale Ausstattung auf. Das Schloss wird heute als Ausbildungszentrum und Frühstückspension genutzt - eine ideale Voraussetzung für einen gelungenen Urlaub. * ist mittlerweile geklärt und nachzulesen im Buch "Starke Mauern an der Thaya" |